KRIBIBI Herbsttagung 2012

Die diesjährige KRIBIBI Herbsttagung (Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare – Österreich) fand am 09.11. und 10.11.2012 unter dem Motto „Auf der Leiter zum Bibliotheksparadies“ statt.

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Den Auftakt am 09.11.2012 bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema „Brauchen Büchereien einen Literaturkanon oder Welche Literatur ist unverzichtbar?“. Diese fand in der Bücherei Philadelphiabrücke mit folgenden Teilnehmern statt: Markus Feigl (Leitung bibliothekarischer Bereich der Büchereien Wien und Vorsitzender des BVÖ – Büchereiverband Österreichs / Dachverband der Öffentlichen Bibliotheken), Erwin Miedtke (stellv. Direktor der Stadtbibliothek Bremen), Anita Ruckerbauer (Leiterin der Öffentlichen Bücherei Golling und Mitarbeiterin des Österreichischen Bibliothekswerks), Gerhard Ruiss (Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren) und Werner Schöggl (Bundeskoordinationsstelle LITERACY). Moderator war Nikolaus Hamann, langjähriges KRIBIBI-Mitglied und Mitarbeiter der Büchereien Wien.

Zum Inhalt der Diskussion:

Schnell wurde klar, dass statt eines festen Kanons vorzuhaltender Literatur Empfehlungen sinnvoll wären. Wichtiger ist jedoch, das jede Bücherei sich und ihr Umfeld analysiert und den Bestand daran ausrichtet und vor allem, das eine hohe Nutzung erzielt wird. Denn wenn keine Nutzer in die Bücherei kommen, kann keine Literaturarbeit gemacht werden. Eine längere Zusammenfassung findet sich: HIER.

Am Samstag (10.11.2012) ging es in einer internen Diskussion und zwei Fachvorträgen darum, wie man die „Leiter zum Bibliotheksparadies“ erklimmen kann:

Die Diskussion beschäftigte sich mit der Büchereiförderung, die in Österreich vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur sowie vom BVÖ kommt. Unter dem Titel „Fördert die Förderung? Bibliotheken im Spagat zwischen Kriterien der Büchereiförderung und ihrem Kultur- und Bildungsauftrag“ wurde das Thema der Podiumsdiskussion vom Vortag noch einmal aufgegriffen und begleitet vom nicht im Amt sondern als Privatmann erschienen Gerald Leitner (Geschäftsführer BVÖ) unter den Teilnehmern lebhaft diskutiert.
Die Büchereiförderung des BVÖ unterliegt komplizierten, nach Meinung zahlreicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer, intransparenten Regelungen, die ausführlich kritisiert wurden. Die Fördersumme von 500.000€ wurde als zu gering erachtet, auch wenn das Konzept vorsieht, dass die Förderung nur eine Unterstützung zur Eigenleistung des Büchereiträgers ist. Aktuell erfolgt die Förderung nach fünf Kategorien, die sich aus Ortsgröße/ Einwohnerzahl, Ausbildung, Umsatz, Öffnungszeiten, Medien und Erneuerungsquote zusammensetzen. Ein wichtiges Ziel aller Parteien ist eine künftig klar strukturierte Finanzierung zwischen Bund, Land und Gemeinde. Neben der Büchereiförderung war ein weiteres großes Thema die Einführung des  sogenannten vorwissenschaftlichen Arbeitens an Schulen (wie eine Facharbeit o.ä.). Diese wird nach Einschätzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Bestandsstruktur und den Bestandsaufbau der Büchereien verändern – darauf muss man vorbereitet sein. Und in diesem Zusammenhang stellte sich auch wieder die Frage nach empfehlenswerter und vor allem aufhebenswerter Literatur. Ein gefälliger Gedanke war die Idee, eine Art „Literaturarchiv“ zu erstellen und dort nicht mehr gelesene Klassiker (deutsche und österreichische) oder ähnliches aufzubewahren.

Im ersten Fachvortrag stellte Frau Susanne Österle (Öffentliche Bücherei Krumbach/ Bibliotheksverband Vorarlberg und BVV) dann das Onleihe-Modell „Mediathek Vorarlberg“ der Vorarlberger Bibliotheken vor: www.mediathek-vorarlberg.at

Die Region Vorarlberg hat 105 Bibliotheken, von denen sich 72 an der Onleihe beteiligen. Der offizielle Start war am 15.10.2012.

Für den Betrieb der Onleihe wurden vom BVV folgende Vereinbarungen getroffen:

  • es dürfen keinen finanziellen Kosten für die teilnehmenden Bibliotheken entstehen
  • Medien werden regelmäßig von der Landesbüchereistelle eingekauft, um das Angebot attraktiv zu gestalten
  • dabei wird vor allem auf den Erwerb aktueller Neuerscheinungen geachtet
  • die Bibliotheken und ihre NutzerInnen dürfen Ankaufswünsche äußern, wobei die NutzerInnen über ein Jahresabo der Bibliothek verfügen müssen, um die Onleihe nutzen zu können
  • Der Bibliotheksverband Vorarlberg managt und koordiniert alles für alle teilnehmenden Bibliotheken, er schult die MitarbeiterInnen und stellt Handreichungen und Arbeitsmaterial zur Verfügung.

Bei der Einführung der Onleihe stand man vor einigen Herausforderungen. So mussten zuerst die Berührungsängste der Kolleginnen und Kollegen und der Nutzerinnen und Nutzer abgebaut und mit dem Vorbehalt, dass die digitalen Bücher die analogen verdrängen, aufgeräumt werden. Außerdem musste den Kolleginnen und Kollegen verdeutlicht werden, welche Zusatzaufgaben in welchem Umfang auf sie zukommen. Hinzu kamen technische Fragestellungen, u.a. wie bekommt man alle 72 Bibliotheken rechtzeitig „onleihe-fit“ oder wie ist das Datenmodell technisch durchführbar?
Das momentane Lizenzmodell sieht vor, das es immer nur eine Lizenz für einen Titel gibt, das heißt dieser kann immer nur von einer Person gleichzeitig ausgeliehen werden. Aber es gibt von der Divibib schon eine angekündigte Neuerung diesbezüglich:

Titel die älter als 24 Monate sind werden für die Parallelnutzung freigegeben, dies gilt ebenso für Zeitungen. Die Ausleihfrist der eBooks liegt momentan bei 7 Tagen, soll jedoch auf 14 ausgedehnt werden. Beim Format sollte man darauf achten, dass das Medium mindestens im ePub-Format vorliegt, da dieses das gängigste ist und vor allem auch für die mobilen Endgeräte benötigt wird.                                                                                                                                                                                                                              Auf den Seiten der Divibib findet man daher auch eine Liste von eBook-Readern, die für die Onleihe geeignet sind.

Im zweiten Fachvortrag stellte Johannes Andresen (Landesbibliothek „Dr. Friedrich Teßmann“, Bozen) den Leseausweis für ganz Südtirol vor.

Es gibt in Südtirol zwar keinen Gesamtkatalog, aber immerhin einen kostenlosen Leihverkehr und zukünftig einen gemeinsamen Leseausweis. Das Südtiroler Bibliothekswesen besteht aus 10 öffentlichen Mittelpunktbibliotheken (hauptamtlich geführt) und 109 öffentlichen Bibliothekssystemen (also Klein- und Kleinstbibliotheken). Insgesamt werden 37 Bibliotheken hauptamtlich und 72 ehrenamtlich geleitet. Hinzu kommen 71 anerkannte Schulbibliotheken.

Der Bibliotheksverband Südtirols definiert sich nicht nur als Interessenverband sondern auch als Dienstleister und übernimmt u.a. die Medienbearbeitung für die ehrenamtlich geführten sowie die EDV-Unterstützung für alle Bibliotheken. Man kann also sagen, dass die Bibliotheken in Südtirol meist sichtbarer Teil der Kultur- und Bildungspolitik sind und in Größe und Ausstattung der jeweiligen Gemeindegröße entsprechen. Um einen gewissen Standard überall zu halten erfolgt seit 2000 eine Qualitätsentwicklung: aus den Bibliotheken heraus wurden Aufgaben für jeden Bibliothekstyp entwickelt, daraus wurden dann Qualitätskriterien abgeleitet und ein internes Audit-System zur Kontrolle eingerichtet (alle 3 Jahre wird auditiert). Das Audit wird von weitergebildeten KollegInnen im 2er-Team organisiert. Eine damit ausgezeichnete Bibliothek erhält mehr Fördermittel. Die Kriterien findet man: HIER.

Weiterhin gibt es in Südtirol ein Bibliotheksgesetz, das als Struktur- und Fördergesetz das kooperative Verbundsystem der Öffentlichen Bibliotheken, die Etablierung des Bibliothekswesens als eigenständigen Bereich im Bildungsbereich sowie die finanzielle Absicherung regelt. Dieses Gesetz ist jedoch schon 30 Jahre alt und muss an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Auch aufgrund dessen gibt es eine neue Initiative „Bibliothek Südtirol“, mit einem Neubau eines Bibliothekszentrums in Bozen und folgenden 5 Dienstleistungen:

  • Schaffung eines Verbundkataloges
  • Einrichtung eines Leihverkehrs zwischen allen Südtiroler Bibliotheken
  • ein gemeinsamer Leseausweis
  • Onleihe
  • die Zusammenarbeit mit Deutschland und Italien

Für den Südtiroler Leseausweis soll eine zentrale Benutzerdatenbank aufgebaut werden, sodass der Leseausweis in jeder Bibliothek anerkannt ist und man zudem die Onleihe nutzen kann. Optional ist der Einsatz der Bürgerkarte als Leserausweis möglich. Die Bürgerkarte ist ein sogenannter Südtiroler Bürgerausweis, der mit der Steuernummer versehen ist, als Gesundheitskarte und europäischer Krankenkassenausweis genutzt wird und einen Chip zur Kommunikation mit  der öffentlichen Verwaltung enthält.

Das Projekt erfolgt unter Einbezug aller Bibliotheken und unter Beachtung des Datenschutzes. So gibt es seit 2003 eine einheitliche Datenschutzerklärung in allen Bibliotheken, die für den Aufbau der zentralen Datenbank zugrunde liegt. So sind Änderungen in den Nutzerdaten nur in der Heimatbibliothek möglich, Sperrungen gelten nicht für das Gesamtsystem und ein Zugriff auf die zentrale Datenbank erfolgt per SSL-Übertragung über die Bibliotheks-ID und das Passwort.

Soweit mein erster Beitrag hier 🙂

OPL-Tante

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