Höhen und Tiefen – der 5. Bibliothekskongress in Leipzig

Nach fünf Tagen Leipzig fällt mir ein Fazit merkwürdig leicht: persönlich sehr zufrieden, aber fachlich sehr enttäuscht.

Als Vorwarnung (die habe ich mir HIER abgeguckt): ich werde erst meckern und dann mit den tollen Dingen aufhören.

Gemecker:

Möglicherweise „leide“ ich darunter, mich für einen Teil der bibliothekarischen Welt zu interessieren, der mich fachlich zu oft mit seinen Vorträgen langweilt, wenn nicht gar entsetzt.
Zwei Beispiele hierfür entstammen dem Block: Marketing- und Kommunikationsstrategien in öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken. Das Desaster beginnt mit einem Vortrag zum Thema „Bibliotheksmarketing: Selbstcheck und Marketing-Baukasten für Bibliotheken“, der aus einem kooperativen studentischen Projekt der FH Köln und der HAW Hamburg hervorging. Unabhängig von der farbig wilden Kästchenorgie, die uns Zuhörende und Zusehende da ereilte, stellt sich mir schon die Frage wie sehr ich die fachliche Qualität eines Werkzeuges einschätzen soll, das grundlegend auf schlichtem Unfug basiert: dem Kundenbegriff und dem Verständnis von Bibliotheken als Dienstleistungsunternehmen. Während letzteres einfach falsch ist , denn Bibliotheken sind institutionelle Dienstleister auch bei mir zuerst wiedermal oberflächlich betrachtet wurde (die Kritik bleibt aber bestehen, denn die Bezeichnung als Unternehmen basiert einzig auf der kommunikativen Attraktivität – ich entdecke gerade den Begriff der humanen Anstalt für mich 😉 (u.a. dank E. Steinhauer)), basiert die Nutzung des Kundenbegriffs auf der bewussten Ignoranz der bibliothekswissenschaftlichen Lehre bezüglich der Auseinandersetzung mit diesem Begriff.
Der zweite Vortrag „Das neue Marken- und Kommunikationskonzept der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg“ war dann die praktische Umsetzung der vorangegangenen bibliothekswissenschaftlichen Fragwürdigkeiten und gipfelte in grandiosen Annahmen wie: „Unser neues Gebührenmodell hat dafür gesorgt, dass mehr Bücher in den Regalen stehen, davon haben die anderen Kunden auch mehr“. Nun ja, Gebührenerhöhungen als Leistungszuwachs zu verkaufen ist wohl auch so ein bibliothekarisches Spiel, dessen Sinn ich noch nicht erfasst habe.

Ein ähnliches Bild ergab sich beim Vortrag: „Lesescouts – Bilanz und Perspektiven„, in dem vor allem um zwei Dinge nicht ging: Bilanz und Perspektiven.

Daher zwei kleine Anmerkungen zu den Vorträgen:

  • Mich interessiert weder wieviele Bücher die Bibliothek hat, noch wieviele Bilder, noch das Treppenhaus, noch warum sie wie heißt, noch wie toll sie ist, noch wieviel entliehen wird, noch die Zahl der Drucker – WENN es nicht eine notwendige Information zum Verständnis Ihres Vortrages ist! #schwanzvergleich
  • Tragen Sie bitte Inhalte vor, keine gesprochenen Broschüren.

Es geht das merkwürdige Mißverständnis um, Vorträge über Projekte sollen nur erzählen was so alles passiert. Ich erwarte von einem Vortrag über ein Projekt, dass er die Begründung für den Start des Projektes halbwegs plausibel macht, die Vorüberlegungen ausführt und ggf. den Ablauf und die Evaluation aufzeigt.

Nun aber zu den tollen Dingen:

Für mich persönlich ist das beständige twittern bei Kongressen eine fortwährende immernoch recht neue Form der Ideenstiftung – gleichzeitig aus allen Räumen und zu allen Themen. Gerade die nicht existierende thematische Übereinstimmung verschiedener Tweets hat mir schon einige spannende Ansätze und Querverweise geliefert, auf die ich in anderer Form so nicht gekommen wäre.

In diesem Sinne weist uns die alte Frage: „Was ist grün und stinkt nach Fisch?“ den Weg zum nächsten Bibliothekstag: Bremen 2014.

DonBib

PS Kommentare zu „TwitterGate“ spare ich mir 😉

2 Gedanken zu “Höhen und Tiefen – der 5. Bibliothekskongress in Leipzig

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