Mehr Frei.Wild in Bibliotheken!

Wegen der großen Aktualität, der Brisanz des Themas, der Qualität des Textes und mit freundlicher Genehmigung von Veselin Poebel vom Blog „Lauter Bautz’ner“ übernommen:

Zur der sich aktuell entwickelnden Auseinandersetzung rund um die Band Frei.Wild möchte ich hier nicht mehr viel schreiben. Hoch und runter wurde in vielen verschiedenen Kanälen der Frage nachgegangen, inwieweit die Rockband aus Südtirol rechtspopulistisch agiert und in welchem Ausmaß demokratiefeindliche Ressentiments durch entsprechende Liedtexte bedient werden. Zusammenfassend zu diesem Komplex möchte ich ein Zitat von Thomas Kuban (Blut muss fließen) vorbringen: „Frontmann Burger ist der erste Rechtsrockstar im klassischen Sinne, denn sein Wirken ist auf keine Szene beschränkt, er erreicht auch das bürgerliche Spektrum (…).“

„Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen – Wenn ihr euch ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen“ (Textauszug aus dem Lied Wahre Werte vom Frei.Wild-Album „Gegengift“)

Diese ganze Diskussion um Textinhalte und der Wirkung von Musik auf jugendliche Hörer wurde von kompetenten Menschen entfacht, die anscheinend ein Menschenbild vertreten, das von Frei.Wild in irgendeiner Weise angekratzt bzw. beschädigt wird. Hätte es diese Menschen nicht gegeben, würden die Deutschrocker noch immer ausgrenzenden Gruselrock in jeder noch so kleinen Stadthalle unwidersprochen spielen dürfen. Dass ein Umdenken im Umgang mit Frei.Wild nun auch in den kommunalen Verwaltungen eingesetzt hat, zeigte jüngst das Beispiel aus Bamberg. Die Stadt konnte ein FW-Konzert aus „vertraglichen Gründen“ nicht verbieten, rang sich aber zu folgendem Statement durch: „rechtslastige Bands haben in Bamberg nichts zu suchen.“

Unbequeme Rechtslast in Bibliotheken

So eine Haltung würde ich mir auch gerne von Öffentlichen Bibliotheken wünschen. So zum Beispiel auch von der Stadtbücherei Bamberg. Dass „rechtslastige Bands in Bamberg nichts zu suchen“ haben, scheint ein exklusiver Standpunkt das angrenzenden Rathauses zu sein. Denn im Bibliotheksbestand findet sich durchaus Rechtslast. Frei.Wild, mit dem Album „Gegengift“ (2010) kann von Bibliotheksnutzern zu gegebener Zeit entliehen werden. Im Bibliothekskatalog wird die CD wie folgt beschrieben: „Das Markenzeichen der Band ist laute, echte, knallharte Musik mit unbequemen, ungeschönt ehrlichen und schnörkellosen Texten.“ Undemokratisch nennen es die einen, unbequem die anderen. Dieses Beispiel verdeutlicht die grundsätzliche Nichthaltung von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren in deutschen Bibliotheken bezüglich der Betrachtung von Textinhalten (analog zum Buch).

Mehr Diskurs durch mehr Frei.Wild

Um die öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mit problematischen Inhalten in die bibliothekarischen Institutionen zu tragen, rufe ich hier und jetzt alle bibliotheksnutzenden Menschen dazu auf sich Frei.Wild-CDs in die Bibliotheken zu wünschen. Da sich diese Band in keiner städtischen Vergnügungshalle mehr sehen lassen kann ohne eine Empörungswelle auszulösen, stellt diese Art der aktiven Immunisierung eine Möglichkeit dar, sich als steuerfinanzierte Medieneinrichtung gegen „rechtslastige Bands“ auszusprechen und den vermeintlichen Nichterwerb entsprechend zu begründen. Sollte mit dem Erwerb von Frei.Wild-Musik (für FW können auch andere Künstler/Bands eingesetzt werden, die mit ihren Texten diskriminierend wirken) ein medien-/demokratiekompetenzsteigerndes Bildungsprogramm durch die Bibliothek initiert werden, spricht natürlich nichts gegen eine Bestellung. Unwidersprochen allerdings, sollte die Musik des „ersten Rechtsrockstar“ nicht in den Bibliotheksbestand integriert werden.

Beipackzettel Damit auch ja nichts schief geht und eine innerbehördliche Auseiandersetzung einsetzen kann: bei einer an die Bibliothek gerichteten E-Mailbestellung bitte immer auch den zuständigen Bürgermeister / Kulturdezernenten in CC setzen. Ansonsten verkehrt sich die gute Absicht womöglich ins Gegenteil. Danke.

DonBib

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