Die Kampagne „The Right to E-Read“

Als ich zum ersten Mal von der Kamapgne The Right to E-Readhörte, war ich schlichtweg begeistert. Eine bibliothekarische Kampagne, die ein gesellschaftlich enorm wichtiges Thema in den Mittelpunkt stellt: das Urheberrecht oder genauer: E-Books und ihre rechtliche Stellung. Je weiter die Kampagne jedoch in die Öffentlichkeit schritt, desto zahlreicher wurden meine eh schon übermäßigen Stirnrunzeln. Hier also die drei Punkte, die mich zur Überzeugung kommen lassen, dass die Kampagne nicht den gewünschten Erfolg bringen wird bzw. warum sie scheitern wird.

  1. Die Bibliotheksbezogenheit

    In der Frage der Einordnung von E-Books in das Urheberrecht geht es vorrangig nicht um die Bibliotheken, denn dieses Thema betrifft grundsätzlich die Rechte jedes und jeder Einzelnen. Die vorliegende Kampagne erweckt den Eindruck einer simplen bibliothekarischen Werbekampagne, die vor allem Aufmerksamkeit auf uns lenken soll. Die entsprechenden Texte beginnen alle mit langweiligem „Bibliotheken sind wichtig, Bibliotheken sind toll, wir labern euch die Rübe voll“ Passagen. Es geht also um uns, es geht um unsere Arbeitsplätze, es geht um unsere E-Books, wir wir wir, ich ich ich – um es mal überspitzt zu formulieren.
    Wir sind hier aber gar nicht entscheidend, sondern allenfalls im Fahrwasser des Problems. Wofür ich einstehen möchte ist nicht zuerst die Situation in den Bibliotheken, sondern die Rechte der Bürgerinnen und Bürger. Kern der Kampagne sollten nicht unsere Probleme, sondern die Situation der Bürgerinnen und Bürger sein. Im Mittelpunkt der Kampagnentexte sollte der Versuch stehen, den Bürgerinnen und Bürgern ihre derzeitigen Rechte zu erläutern – das sollte im Übrigen auch Kern alltäglicher bibliothekarischer Arbeit sein – was in den Kampagnentexten auch erkennbar ist, aber definitiv nicht im Mittelpunkt steht. In dieser Form marginalisiert die Kampagne ihr eigenes Anliegen, indem sie es als bibliothekarisches Problem definiert und nicht als Problem der Gesellschaft.

  2. WerbetextpraktikantInnen des dbv

    Ich habe zuerst den Untertitel des Büchereiverband Österreichs gelesen: „Legalize it!„. Danach las ich dann den deutschen Fehlversuch: „E-Medien in der Bibliothek – mein gutes Recht!“ Ein knackiger Kamagnentitel ist das Grundgerüst jeder erfolgreichen Kampagne. Die deutsche Variante manifestiert allenfalls das alte lahmarschige Bild von Bibliotheken.

  3. Der eigene Berufsstand

    Ich habe bei einer Veranstaltung zu diesem Thema darum geworben, viel Zeit und auch Geld in die Öffentlichkeitsarbeit nach innen zu investieren. Man hatte darauf offensichtlich keine Lust. In meiner bibliothekarischen Umgebung sind ein paar Werbetexte aufgetaucht und ein paar Plakate. Eine erfolgreiche Kampagne benötigt aber auch einen breiten Rücken der sie stützt. Wer soll das sein? Der kleine Teil der Bibliotheksmenschen, die sich für gesellschaftliche Themen oder Urheberrecht, so man es denn überhaupt trennen mag, interessiert? Wohl eher nicht. Ich halte es für einen sehr großen Fehler, den eigenen Berufsstand nur so oberflächlich einzubinden.

Dieses Thema ist eine große Chance, sich als gesellschaftspolitisch wichtiger Ort zu präsentieren und damit zugleich den Berufsstand zu fördern bzw. zu fordern. Ich denke wir sind auf einem guten Weg diese Chance mittels einer inhaltlich sehr schmalen Kampagne zu verspielen.

DonBib

PS Die Idiotie des KundInnenbegriffs insbesondere an dieser Stelle habe ich mal extra bisher gar nicht erwähnt.

PPS Natürlich unterstütze ich die Kampagne mit den mir eigenen Mitteln und Ideen trotzdem.

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