Drei Anträge mit der Bitte um Unterstützung – BIB MitgliederInnenversammlung

Der Übersichtlichkeit wegen mache ich folgende drei Anträge, die ich unter Tagesordnungspunkt 13 der MitgliederInnenversammlung des Berufsverbandes Information Bibliothek e. V. (BIB) im Rahmen des 103. Deutschen Bibliothekartages in Bremen einbringen werde (ich beeile mich auch), in einem Blogbeitrag bekannt. Ich bitte um Unterstützung für alle drei Anträge, auch bei der MitgliederInnenversammlung des Vereins Deutscher Bibliothekare e.V. (vdb).
Folgende drei Anträge werde ich einbringen:

  1. Schaffung einer Struktur für eine transparente Programmfindung für zukünftige Bibliothekartage / Bibliothekskongresse
  2. Änderung der Veranstaltungsbezeichnung „Bibliothekartag“
  3. Überarbeitung oder völlige Neugestaltung des „Code of ethics“

Hier nun die Anträge in ausführlicher Form:

1. Die MitgliederInnenversammlung möge beschließen, dass sich der Vorstand des BIB für eine transparente Gestaltung kommender Bibliothekartage einsetzt, wobei transparent hier bedeutet: Schaffung einer Struktur, die

  1. alle eingereichten Abstracts zu einem Bibliothekartag öffentlich sichtbar macht (und dabei ggf. anonymisiert),
  2. eine Diskussionsplattform für die eingereichten Abstracts schafft,
  3. und letztens eine transparente Bewertungsform erarbeitet.

Begründung:

Bibliothekarische Arbeit setzt sich u.a., nimmt man die gängigen ethischen Grundsätze zur Hand, für die Schaffung von Informationszugängen aller Art und Transparenz ein. Gleichsam verkünden bibliothekarische Institutionen jeder Art ihr Engagement für Open Access. Im Sinne des fachlichen und kollegialen Austauschs scheinen diese Grundsätze nicht zu gelten. Für die Bibliothekartage eingereichte Abstracts werden in einem für die Fachöffentlichkeit intransparenten Verfahren beurteilt. „Qualitätskriterien“ sind dabei weder offen sichtbar, da sich keine Nachvollziehbarkeit herstellen lässt, noch Teil einer fachlichen Diskussion. Zudem führt dieses Verfahren zu ineffizienten Planungsstrukturen für die Großveranstaltung Bibliothekartag

Änderungsvorschlag:

Nach dem Ende der Frist zur Einreichung von Abstracts sind diese so zu veröffentlichen, dass jeweils ein Austausch über Form und Inhalt möglich wird. Es muss also eine offene Diskussionsmöglichkeit mit den AutorInnen der jeweiligen Abstracts möglich sein. Aus den Diskussionen und den ebenso transparent entstandenen Bewertungen einer gleichsam transparent zu besetzenden Programmkommission ergibt sich in einem noch zu definierenden Verfahren eine Menge an Vorträgen, die bei KollegInnen auf Interesse gestoßen sind bzw. für definitiv in großem Rahmen diskussionswürdig erachtet werden. Hieraus ergibt sich zugleich die bestehende InteressentInnenmenge, die für die spätere Raumplanung grundlegend ist. Vorteil des Verfahrens ist die Motivationsförderung mittels der Schaffung von Beteiligungsmöglichkeiten und der transparenten Diskussion mit den KollegInnen und zugleich eine gewisse Planungssicherheit für die Raumplanung. Nachteil des Verfahrens ist ganz sicher die Tatsache, dass die KollegInnen grundlegend Engagement zeigen müssen, um ein interessantes Angebot zu schaffen (was ich natürlich gar nicht als Nachteil betrachte) und eine ausgeprägte Kritikfähigkeit.

2. Die MitgliederInnenversammlung möge beschließen, dass sich der Vorstand des BIB für eine Veränderung der Veranstaltungsbezeichnung „Bibliothekartag“ einsetzt.

Begründung:

Zwei Punkte sind hier maßgeblich. Erstens erscheint die Benennung des zentralen bibliothekarischen Fachkongresses in einer ausschließlich männlichen Form völlig aus der Zeit gefallen und zweitens verstellt die Namensgebung den Blick auf den Kern unserer Arbeit. Nicht wir selbst stehen im Vordergrund sondern unsere Institutionen, damit verbunden unsere Trägereinrichtungen etc., sowie unsere Fachwissenschaft. Zudem sollte eine Namensänderung zu einer grundsätzlichen Öffnung des Bibliothekartages für weitere uns eng umgebende Fachwissenschaften und die interessierte Öffentlichkeit beitragen.

Änderungsvorschlag:

Einen konkreten Namen kann und will ich hier nicht nennen, gleichwohl aber noch mal zum Ausdruck bringen, dass ich einen demokratischen Namensfindungsprozess für absolut notwendig erachte.

3. Die MitgliederInnenversammlung möge beschließen, dass sich der Vorstand des BIB für eine Überarbeitung oder völlige Neugestaltung des „Code of ethics“ einsetzt.

Begründung:

Die vom BID (Bibliothek und Information Deutschland) erarbeiteten ethischen Grundsätze der Bibliotheks- und Informationsberufe sind im Kern undemokratisch und fachlich kaum haltbar. Nähert man sich dem „Code of ethics“ aus sozialwissenschaftlicher Sicht, ergibt sich dessen Einordnung in die Kategorie oktroyierter Leitbilder, die prinzipiell gar nicht als Leitbilder zu bezeichnen sind. Oktroyiert bedeutet hier, dass der in einem undemokratischen Prozess, also ohne Beteiligung oder Befragung der angesprochenen Gruppe, entstandene „Code of ethics“ soziale Erwartungshaltungen in den Berufsstand hinein transportiert. Inbegriffen ist hierbei z.B. die Ökonomisierung bibliothekarischer Arbeit, die sich im KundInnenbegriff manifestiert. Dieser KundInnenbegriff ist, entgegen dem von BibliothekswissenschaftlerInnen vermittelten Bild, keineswegs wissenschaftlich fundiert und in bibliothekarischem Sinne einfach nutzbar. Als Kernelement der ethischen Grundsätze der Bibliotheks- und Informationsberufe kann und sollte er schon gar nicht gelten.

Änderungsvorschlag:

Start eines demokratischen Prozesses zur Schaffung berufstandsweiter ethischer Grundlagen.

DonBib

PS Die Bezeichnung „Bibliothekartag“ habe ich hier nur noch der Form halber verwendet. Ich bleibe zukünftig vorerst bei „Bibliothekstag“.

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