Zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des BIB am 7.2.2015 in Köln

Der Versuch die außerordentliche Mitgliederversammlung am 07. Februar 2015 in Köln nachträglich einzuordnen fällt mir sehr schwer. Gleichwohl ist es dringend geboten dies zu tun. Der Grund dafür ist, dass es beinahe allein Michael Reisser, dem ehemaligen Geschäftsführer des BIB, zu verdanken ist, dass zumindest die anwesenden Mitglieder des BIB ein paar Hintergrundinformationen erhalten haben.

Der anwesende Restvorstand schien außerstande zu sein, Vorwürfe und Hintergründe zu beleuchten. Selbst die Sprachwahl vermied es zumeist tunlichst sich selbst in die Verantwortung zu stellen. Es war das aus Politik und Medien allseits beliebte: „es“ wurden Fehler gemacht und „man“ müsse nun damit umgehen. Allein die Wahl des letzten Geschäftsführers wurde als Fehler anerkannt und benannt.

Der nachfolgende Text ist aus Notizen, meinen Erinnerungen und den Notizen der fleißig Twitternden zusammengetragen und damit nicht mit einem Protokoll zu verwechseln.

Zu den Vorgängen im Einzelnen, in nicht-chronologischer Abfolge:

Die anwesenden stimmberechtigten Mitglieder (zeitweise etwas über 90) wurden mit einer kaum lösbaren Situation konfrontiert. Würden zentrale Tagesordnungspunkt (BuB, Aussetzung der Wahlordnung, Aussetzung der Satzungsänderung) nicht angenommen bzw. geregelt, stünde einerseits die Neuwahl des Vorstandes in Nürnberg auf der Kippe, andererseits die Weiterführung der BuB und letztlich die Arbeitsfähigkeit des Verbandes. Die Annahme, die Verbandsspitze würde mit Transparenz und Informationen versuchen die vorliegenden Probleme zu lösen, war ein Irrtum.

Die Mitgliederversammlung in Bremen ist, das muss man konstatieren, nicht satzungsgemäß verlaufen. Es lag einerseits kein Wirtschaftsplan für das Jahr 2013 vor und andererseits ist die Zahl anwesender stimmberechtigter Mitglieder innerhalb der Sitzung nicht immer nachvollziehbar (so habe ich es verstanden). Daraus ergibt sich eine zentrale Frage: welche Punkte der Mitgliederversammlung in Bremen gelten weiterhin und welche sind nichtig? Diese Frage hätte im Vorfeld der aoMv in Köln geklärt sein müssen! Der Vorstand hat es aber versäumt dies zu klären und tut dies nun im Nachhinein. Somit waren wir mit der absurden Situation konfrontiert, über Punkte abzustimmen, deren Gültigkeit wir nicht nachvollziehen können.

Die interne Situation des BIB bleibt bis auf Kleinigkeiten weiter undurchschaubar. Zwar wurden manche Unstimmigkeiten benannt: permanente Pattsituation im Vorstand bei Abstimmungen zur Zukunft der BuB, zur der Gründung einer Weiterbildungsakademie und zum Umgang mit Geldern. Hierbei entstand nach Angaben von Tom Becker eine gewisse Eigendynamik mit dem Geschäftsführer, die nicht beherrschbar war. Dem Versuch einen guten Teil der Verantwortung für Fehlentscheidungen dem nun nicht mehr im Amt befindlichen Klaus Junginger überzuhelfen erteilte dann aber Michael Reisser mit einer Einlassung eine klare Abfuhr. Letztlich ist es immer der Vorstand der Entscheidungen trifft, der größere Ausgaben genehmigt etc. Der Versuch (Fehl-) Entscheidungen auszulagern zielt damit ins Leere.

Im Übrigen begann die Aussprache zur Situation des BIB tatsächlich damit, dass der im Intranet vorliegende Text noch mal verlesen wurde – ein völlig absurder Vorgang.

Die finanzielle Lage des BIB ist ein für mich noch undurchschaubarer Punkt, der sich durch die aoMv eher noch verschlimmert hat. Es gab Eintragungen von Wortmarken: BUB und BIB, bei denen sich die Frage stellt wer diese warum beantragt hat und was diese gekostet haben. Michael Reisser benannte zahlreiche (öffentlich zugängliche) Details zur Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Verlag Bock+Herchen. Ich bemühe mich dies zusammenzutragen und nachzuliefern. Fakt ist aber, dass dies die ersten nachvollziehbaren Informationen zu diesem Thema sind und waren. Ergänzungen und Anmerkungen vom Vorstand waren diesbezüglich kaum verständlich. Meiner Interpretation nach stand die Kündigung des Vertrages mit dem Verlag und die Idee eines Prozesses wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten auf so wackeligen Füßen, dass die finanzielle Integrität des Verbandes infrage gestellt war. Ausgesprochen wurde hierbei auch, dass sich der Vorstand dabei derart auf Glatteis begeben habe, dass er persönlich in die Haftung genommen werden könnte. Diesen Punkt, in der aoMv klar und logisch dargelegt und in sich schlüssig, kann ich aber ohne weitere Details nicht tiefergehender wiedergeben.

Zur Zukunft der BuB verteilte Michael Reisser eine Modellrechnung, die das Vorhaben des Vorstandes die Zeitschrift im Selbstverlag weiterzuführen als zentrales finanzielles Risiko darstellt. Hier kommen wir an einen Punkt der beispielhaft für die ganze Veranstaltung war. Der Vorstand präsentierte uns in einer kaum lesbaren Tabelle (per Beamer) eine Modellrechnung für die Weiterführung der BuB im Selbstverlag. Die vorliegenden Zahlen waren weder nachvollziehbar noch ausreichend lesbar. Gleichzeitig legte Bernd Schleh, dem im Übrigen großer Dank für die kommissarische Geschäftsführung des BIB gebührt, als verantwortlicher Redakteur der BuB dar, dass aus seiner Sicht die Fortführung der BuB derzeit nur unter dem Mantel des Selbstverlages zu leisten ist. Die anwesenden Mitglieder hatten nun also die Wahl entweder auf eine vernünftige Informationspolitik zu pochen, was die Auseinandersetzung mit den Zahlen Michael Reissers bedeutet hätte, aber gleichzeitig ein Schlag ins Gesicht des anwesenden verantwortlichen Redakteurs der BuB und des kommissarischen Geschäftsführers des BIB wäre, oder in völliger Unkenntnis des finanziellen Risikos die Weiterführung der BuB im Selbstverlag zu beschließen.

Ein inakzeptabler Vorgang dessen Verantwortung allein in Händen des Vorstandes lag.

Die Weiterführung im Selbstverlag wurde dann bis zum 31.12.2016 beschlossen. Schlechte Vorbereitung und völlig unzureichende Informationspolitik sorgen demnach für eine Entscheidung, die nun ein nicht kalkulierbares Risiko mittels moralischen Dilemmas auf uns ausgelagert hat – danke!

Insgesamt und ich muss hinzufügen, dass mein Austrittsschreiben mit Begründung seit mehreren Monaten in der Schublade liegt und ich nun tatsächlich noch mitgestalten will bevor ich austrete, bin ich doch sehr konsterniert ob der Situation. Wer Verantwortung für einen so großen Verein übernimmt dem gebührt großer Dank, keine Frage. Wer Verantwortung für einen so großen Verein übernimmt, der muss aber auch zu seinen Handlungen stehen und der wirft mit seiner Arbeit auch ein Licht auf die eigene Berufsethik. Wer Verantwortung für einen so großen Verband übernimmt und die Solidität des Verbandes gefährdet, dem kann ich nicht anerkennend für seine Arbeit auf die Schulter klopfen. Derzeit ist der Verband von maximaler Intransparenz gekennzeichnet. Michael Reisser hat dies auch explizit formuliert indem er fragte, wie sich die Verbandskultur in wenigen Monaten so völlig verändern könne.

Sichtbar war im Übrigen auch Unzufriedenheit und Ärger über die wiederkehrenden und verständlich kritischen Einlassungen von Michael Reisser. Ich kann den entsprechenden KollegInnen nur dringend ans Herz legen, sich mit den Gedanken von Transparenz zu beschäftigen und sich grundsätzlich zu fragen, wie es um ihre Berufsethik bestellt ist.

Die bestehende Intransparenz ist eine bewusste Entscheidung des Vorstandes.

Fünf KandidatInnen für einen in Nürnberg neu zu wählenden Vorstand zu finden wird in der derzeitigen Situation ein schwieriges Unterfangen. Ich hoffe es gelingt trotzdem.

Einer letzten ebenfalls von Michael Reisser getroffenen Aussage möchte ich mich abschließend noch anschließen und dies auch als Aufforderung verstanden wissen:

Es ist ein Affront, dass die beiden aus der Riege der in Bremen gewählten Vorstandsmitglieder Verbliebenen noch immer auf ihrem Posten verharren. Die Regelungen des Verbandes zum Rücktritt von Vorstandsmitgliedern sind klar und der Verein bliebe handlungsfähig.

Ich kann Tom Becker und Petra Kille nur auffordern, die Mitgliederversammlung in Nürnberg nicht mehr als Vorstand des BIB zu bestreiten.

DonBib

5 Gedanken zu “Zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des BIB am 7.2.2015 in Köln

  1. Mir ist keine weitere Schilderung oder öffentliche Meinungsäußerung bekannt. Über die im internen Bereich des BIB bereitstehenden Dokumente hinaus, die im Übrigen auch nur bereits bekannte Punkte abbilden, ist mir auch hier nichts bekannt.

  2. Danke auch von mir für diese Zusammenfassung, an der aoMV konnte ich leider nicht teilnehmen.

    Ich finde es lobenswert, dass Michael Reisser überhaupt nach Köln gekommen ist, denn er hat die aktuelle Lage nicht zu verantworten. Auch von hier mein dank an Bernd Schleh, der nun eine Herkulesaufgabe und 2 Jobs am Hals hat.

    Wer sich nun für den Vorstand aufstellen lässt, müsste vorab Einblicke in die aktuelle Lage bekommen, denn später muss diese Person dafür gerade stehen. Kein einfaches Unterfangen! Gerade für die „Kasse“.

    Irgendwo kam per Twitter, das Petra Kille sich nicht mehr zur Wahl stellt – ist das richtig? Das wäre dann kein Rücktritt, aber wenigstens eine verantwortungsvolle Übergabe.

    Als ehemals aktives Mitglied tut das wirklich weh – aber den Wunsch nach Transparenz kann ich nur unterschreiben.

    • Zum Abschluss der Veranstaltung wurden Tom Becker und Petra Kille gefragt, ob sie sich in Nürnberg erneut zur Wahl stellen werden. Petra Kille hat diese Option ausgeschlossen und Tom Becker hält es sich offen („an ungeraden Tagen ja, an geraden Tagen nein“).

  3. Auch von meiner Seite ein großes Dankeschön für die Zusammenfassung. Ich war anwesend und hätte die Versammlung nicht besser wiedergeben können.
    Die MV war schlecht vorbereitet, die Tagesordnung wurde so oft geändert, dass nachher keiner mehr so recht wusste, bei welchem Punkt man war, keiner hatte so recht das Heft in der Hand … Da wünschte ich mir doch ab und an ein wenig mehr kaninchenzüchtervereinstypische Zucht und Ordnung.

    Erschreckend vor allem die Unwissenheit des Vorstands!

    Michael Reisser definitiv ein Lichtblick, aber in manchem auch nicht ganz fair. Während einer ohnehin schon explosiven MV noch alte, scheinbar schon in seiner Dienstzeit ungelöste/unlösbare (?) Dauerproblematiken hervorzuholen und dem gebeutelten Vorstand noch zusätzlich vor die Füße zu werfen. Nicht so ganz die feine Art.

    Ich hoffe es finden sich ein paar engagierte und tapfere Kollegen und Kolleginnen für die Wahl in Nürnberg. Erstrebenswert wäre, wie schon in der MV erwähnt, eine ungerade Anzahl an Vorstandsmitgliedern, um Patt-Situationen vorzubeugen.

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