Ein kleines Beispiel für die Realität der KundenInnenorientierung

Eines der Lieblingsschwafelworte im Bibliothekswesen ist ja das der KundInnenorientierung. Obwohl fachlich auf gaaaaanz dünnem Eis schliddernd, wird dieses Wort nur zu gern als Marketingnebelkerze gezündet. Zuweilen gilt die KundInnenorientierung gar als „oberste Maxime der Arbeit“1 in Öffentlichen Bibliotheken, was ja ein Armutszeugnis für eine vorgebliche Bildungs- und Kultureinrichtung ist.

Die oberste Maxime meiner Arbeit findet sich im Übrigen hier: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Nun bin ich doch sehr belustigt darüber, wie man sich, was das Verständnis der KundInnenorientierung angeht, mit einem kleinen Abstract für den Bibliothekstag in Nürnberg so bereitwillig selbst entlarven kann. Im Abstract zur „Gamification bei den Bücherhallen Hamburg“2 steht fein aufgelistet, was die Ziele des prinzipiell ja tollen Projekts sind:

Die Bücherhallen Hamburg haben zusammen mit der Agentur Appmotion eine Gamification-Plattform entwickelt. Durch den Einsatz von spieltypischen Mechaniken sollen:

  • Die Einbindung der Kunden gesteigert werden (Involvement),
  • Neue Kunden gewonnen werden,
  • Die Kunden zu einer direkten Interaktion und Identifikation mit den Bücherhallen Hamburg bewegt werden,
  • Die Aufmerksamkeit der Bücherhallen in der Stadt erhöhen werden.

Wer die Stelle findet bei der es tatsächlich um einen möglichen persönlichen Fortschritt für die BibliotheksbesucherInnen geht, der darf sich gerne bei mir melden. Aus meiner Sicht ist das ein Paradebeispiel für KundInnenorientierung. Ziel ist die Verbesserung der eigenen Positionierung am Markt der Aufmerksamkeit. Andernfalls wären es folgende drei Punkte gewesen:

  • spielerische Förderung von Lernprozessen
  • Motivationsförderung im Umgang mit (noch unbekannten) Medien
  • Motivationsförderung für Pflege und Erneuerung sozialer Kontakte

Einem geneigten Fachpublikum die Idee der Gamification ausschließlich als Marketingstrategie zu verkaufen ist dann doch eher fragwürdig. Aber vielleicht ist das nur mißverständlich formuliert und ich habe das alles ganz falsch verstanden. Wir werden es sehen.

DonBib

  1. Behrendt, Brigitte: Drei Jahre Sonntagsöffnung in Mönchengladbach : Bibliotheksleitung zieht positive Bilanz / Personalrat von Beginn an einbezogen. In: Buch und Bibliothek : BuB 67 (2015), Nr. 2, S. 112 []
  2. Programm des 104. Bibliothekstages in Nürnberg []

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