Nicht mein Verband – Austritt aus dem BIB

Auch wenn es meinem Verständnis von Solidarität im Berufsstand, was auch Grund für meine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ist, widerspricht, trete ich aus dem Berufsverband Information Bibliothek e.V. aus. Die Gründe für einen Austritt sind, insbesondere seit 2014, derart vielfältig geworden, dass ein Verbleib nicht mit meinem Verständnis der bibliothekarischen Berufsethik in Einklang zu bringen ist. Drei der maßgeblichen Gründe möchte ich hier nun kurz ausführen:

1. Bibliojobs

Mit bibliojobs bietet der Berufsverband eine Übersicht der wichtigsten Stellenangebote im Bibliotheks- und Informationssektor. Schwerpunkt ist der deutschsprachige Raum.  Für den Zugriff auf die Stellenanzeigen müssen Sie als BIB-Mitglied auf der BIB-Website registriert und eingeloggt sein.
(Quelle: BIB)

Der Ausschluss nicht im Verein organisierter Mitglieder unseres Berufsstandes aus einer bereits erbrachten Leistung, nämlich der Auswertung und Darstellung von Stellenanzeigen aus zahlreichen Quellen, ist unsolidarisch und unkollegial. Die Vereinsmitgliedschaft ist, zumindest nach meinem Verständnis, nicht primär zum Erwerb von Vorteilen gegenüber KollegInnen begründet, sondern im auch in der Satzung des BIB niedergeschriebenen Zweck das Bibliotheks- und Informationswesen gemeinsam zu fördern. In der Satzung des Berufsverbandes Information Bibliothek e.V. (BIB) findet sich in „§ 1 Zweck des Vereins“ zudem die Aussage, man fördere den bibliothekarischen Nachwuchs. Diese Idee der Förderung ist allgemeingültig und nicht an den Verband gebunden. Ich muss dabei aber akzeptieren, dass offensichtlich eine große Mehrheit der Verbandsmitglieder dem Ansatz des Ausschlusses nicht organisierter KollegInnen folgt.

Hinzu kommt noch, dass man offensichtlich nicht genügend Rückgrat hat, wenigstens die freie Auswertung von KollegInnen für KollegInnen, die man unter OpenBiblioJobs findet, zu verlinken.*

*Nachtrag – Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass sich OpenBiblioJobs auf der Homepage des BIB in der „Fundgrube Internet“, im Bereich „Verbände, Ausbildungsstätten, Fortbildung, Jobbörsen“ im Unterbereich „Jobbörsen“ finden lässt. Mein Weg führte mich zum Direktlink „Stellenservice Bibliothek“ der Startseite und die Suchfunktion ergab auch kein nutzbares Ergebnis. Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Kritik.

*Zweiter Nachtrag – Jürgen Plieninger hat der Link nun auch im Bereich „Stellenservice Bibliothek“ eingefügt. Danke.

2. Positionspapier zur Sonntagsöffnung

Ein Punkt, der für sich bereits genügend Gründe für einen Austritt aus dem Verband bereit hält, ist das Positionspapier des BIB zur Sonntagsöffnung bzw. viel mehr der Umgang mit den Mitgliedern.

In der Einleitung zum Positionspapier benennt der Vorstand des BIB seine satzungsgemäße Aufgabe die Interessen der Beschäftigten in bibliothekarischen und Informationsberufen zu vertreten, um nachfolgend in völliger Unkenntnis über die Interessen jener Beschäftigten Stellung pro Sonntagsöffnung zu beziehen. Diesen an sich schon inakzeptablen Vorgang unterfüttert man dann durch das Angebot an die Mitglieder doch nun nachträglich über das bereits veröffentlichte Papier in einem abgeschlossenen Forum zu diskutieren. Man kann hier tatsächlich die Frage nach dem Demokratie- und Verbandsverständnis der beteiligten Vorstandsmitglieder stellen.

Was fehlt ist eine vom Verband längst anzustoßende vielfältige Auseinandersetzung mit dem Thema Sonntagsarbeit. Die Expertenanhörung, deren Ergebnisse nachzulesen sind, bringt bis auf einzelne Beiträge (Steinhauer) kaum mehr als Wünsche hervor. Fachliche Auseinandersetzung, die Abwägung gesellschaftlicher Fragen oder eine angeleitete Diskussion im Verband ist nicht erkennbar.

Was mich dann aber völlig ratlos werden lässt ist die Interpretation des Bundesvorstandes des BIB zur eilig nachgeschobenen Umfrage zur Sonntagsarbeit. Die gestellte Frage war ganz deutlich, nämlich nach der Zustimmung zum Positionspapier des BIB zur Sonntagsarbeit. Hier waren die Meinungen tatsächlich etwa 50/50. Die Frage bezog sich mitnichten auf die Zustimmung zur Sonntagsarbeit. Das Positionspapier ist völlig inakzeptabel, die Frage der Sonntagsöffnung bedarf einer ausführlichen Auseinandersetzung. Meine Antwort zum Positionspapier war somit völlig klar, nämlich definitiv keine Zustimmung. Eine Frage zur Sonntagsöffnung hätte ein klares „weiß nicht“ zur Antwort gehabt.

Das Ergebnis der Umfrage ist somit ein völlig anderes: 48% der teilnehmenden Mitglieder des BIB fühlten sich nicht durch das Positionspapier vertreten. Konkreter formuliert: es gab keine Spaltung bei der Frage zur Sonntagsarbeit, sondern bei der Frage nach der Vertretung der Interessen der Mitglieder. Selbstverständlich kann das Ergebnis bei der Frage zur Sonntagsarbeit dasselbe sein, dafür müsste man dann aber auch danach fragen.

3. BuB

Hier fasse ich mich kurz: wer im Jahr 2015 eine Verbandszeitschrift pflegt, die nicht OA ist und keine direkte Interaktion zulässt, der kann nur mit Mühe behaupten sich für die Weiterentwicklung des Bibliothekswesens einzusetzen. Wer sein eigenes, nach meiner Ansicht grenzwertig unwissenschaftliches, Gerede von der KundInnenorientierung ernst nimmt, der kann nicht erwarten, dass Fachtexte gelesen werden, nur weil sie da sind. Die Fachwelt muss sich auch Gedanken darüber machen, wie Fachtexte, Erfahrungsberichte etc. so in die Berufspraxis eingebracht werden, dass Diskussionen überhaupt entstehen. Es gehört zur zentralen Aufgabe eines Verbandes dies zu befördern.

Abschließend

Diese drei Punkte sind eine kurze Auswahl dessen, was mich dazu bringt diesen Verband zu verlassen. Es ist schade, zugegeben. So lange die völlig berechtigte Kritik am BIB aber von einzelnen Vorstandsmitglieder als z.T. überzogen interpretiert wird, sehe ich kaum eine Diskussionsgrundlage. Die Tatsache, dass Kritik bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Köln kaum Unterstützung fand, kann aber jenen Vorstand beruhigt in die Zukunft blicken lassen. Demokratische Orte sind offen, transparent und befördern Diskussionen und Aushandlungsprozesse. So einen Ort habe ich im BIB leider nicht gefunden.

DonBib

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