Völlig richtige Entscheidung – zur MV des BIB in Nürnberg

Ich habe mich direkt vor der Mitgliederversammlung des Berufsverbandes Information Bibliothek e.V. gefragt, ob mein Austritt die richtige Entscheidung ist. Die Zahl der Argumente für einen Austritt ist und war überwältigend und trotzdem halte ich einen starken Personalverband für essenziell. Nach der über vier Stunden andauernden Versammlung ist aber jeder Zweifel beiseite gewischt.

Eine Langfassung der Rückschau auf die Mitgliederversammlungen habe ich soeben wieder gelöscht. Ich will es nur noch in zwei kurze Punkte fassen und mich dann wichtigen Themen widmen, also nicht mehr dem BIB:

1. Die Entlastung des Vorstandes

Wenn die Entlastung des Vorstandes zu einer Selbstverständlichkeit verkommmt, die auf harsche Kritik mit der Frage „Wer will dann noch kandidieren?“ reagiert wird oder der Aussage „Kandidaturen können auch zurückgezogen werden“ eine zusätzliche Duftmarke bekommt, kann man getrost auf Kontrolle verzichten. Ich hätte mich sicher enthalten. Gleichwohl ist es unerträglich in dieser Form Druck auf die Entscheidungsfindung der Mitglieder auszuüben. Das beste Beispiele für die argumentative Qualität kam per Twitter:

Wer also nicht selbst die Verantwortung übernehmen möchte, der behalte bitte seine Kritik für sich und wage es nicht, andere zur Verantwortung zu ziehen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist das was wir unseren SchülerInnen in den Schulen an ethischem Rüstzeug mitgeben das exakte Gegenteil.

2. Die Sonntagsöffnung

Mit Beginn der Diskussion zur Sonntagsöffnung hatten, ich weiß es leider nicht mehr genau, knapp 100 der anfangs anwesenden 235 Mitglieder die Versammlung bereits verlassen. Grund dafür war die massive Verzögerung (als Bahnfahrer ist man geneigt zu sagen: im Betriebsablauf), denn wir hatten die drei Stunden bereits weit überschritten.

Was dann folgte war von der Idee her so sinnlos wie im Ergebnis eine Frechheit. Es startete eine freie Diskussion, in der sich pro und kontra die Klinke gaben. Was war das Ziel der Aussprache? Der Vereinsausschuss des BIB hatte einstimmig die Fortführung des im Positionspapier zur Sonntagsöffnung Festgehaltenen beschlossen. Dies wurde auch in der offenen Diskussion kritisiert. Die Antwort darauf war einerseits ein schlichtes Schulterzucken, die Meinung der Hälfte der Mitglieder ist einfach egal, zum anderen durfte ich noch etwas über Demokratie lernen: Demokratie ist, wenn die Mehrheit entschieden hat. Ein Berufsverband der nicht fähig ist, in einer lokalen Versammlung und auch in einer fachlichen Auseinandersetzung, eine solche Diskussion zu moderieren, wird nicht gebraucht. Mein Einwand eben jene Fachdiskussion habe überhaupt noch nicht stattgefunden und sollte doch zuerst geführt werden, wurde von einer Kollegin aus Mönchengladbach mit der Bemerkung beiseite gewischt: es gäbe eine Studie über ihr Modellprojekt zur Sonntagsöffnung, die zeigt wie relavant das für die Kommune wäre. Ich würde mich gerne selbst von dieser Interpretation überzeugen, konnte aber keine Veröffentlichung entdecken. Einzig einen Artikel auf der Seite der Stadt Mönchengladbach konnte ich entdecken. Dieser lieferte dann auch noch einen Interessanten Aspekt, für den die Kollegin aus Mönchengladbach wohl keine Zeit mehr hatte: die Sonntagsöffnung fand ohne Fachpersonal statt und 75% der „KundInnen“ fanden das nicht schlimm. Ich sehe da ein großartiges Einsparpotenzial für den Rest der Woche. Da freut sich die Stadt sicherlich.

Zusammengefasst – die Diskussion war sinnfrei, da die Gremien ohne Interesse an der Meinung der Mitglieder entschieden haben und der Vorstand auch weiterhin das Positionspapier ohne Änderung vertritt.

Abschließend:

Worum soll es dem Verband in nächster Zeit gehen? Wie geht er zukünftig mit Kritik um? Was wird aus BuB und Bibliojobs? Während sich der vdb zeitgleich deutlich öffnet, schließt der BIB Dienstleister wieder von der Mitgliedschaft aus (was lustig ist, wenn man zugleich die ekz als Teil des BID akzeptiert).

Die Sitzung selbst empfand ich, mitnichten als einziger der Anwesenden, als z.T. unerträglich.

DonBib

Ein kleiner Nachtrag aus der Sitzung:

Mir wird schlecht, wenn ich vom ehemaligen Präsidenten des europäischen Bibliotheksverbandes EBLIDA und einem Vorstandsmitglied des BIB gesagt bekomme, dass ohne Ebooks und Sonntagsöffnung die Öffentlichen Bibliotheken keine Zukunft hätten. Wenn das die Mehrheitsmeinung in den bibliothekarischen Verbänden ist, bekomme ich wirklich Zukunftsangst.

5 Gedanken zu “Völlig richtige Entscheidung – zur MV des BIB in Nürnberg

  1. Austritt ist aber leider keine Lösung. Im Gegenteil. Dadurch verschlimmert sich die Lage nur noch. Es gibt sehr viele Kollegen die mit den aktuellen Entwicklungen im BIB nicht einverstanden sind. Die arbeiten aber in Positionen in denen sie weder auf Bibliothekstage kommen können noch abends nach der 21:00 Uhr Schicht in der Stadtbibliothek sich zum Thema Sonntagsöffnung äußern können. Das bleibt primär den Personen in der oberen bzw. mittleren „Leitungsebene“ vorbehalten, die man dann ja auch dort findet. Aus meiner Sicht sind weder die Bibliothekstage und die Debatten die dort geführt werden noch die Diskussionen in BuB repräsentativ. Wenn man innerhalb des BIB fortschrittliche Politik machen möchte, könnte man sich ja vernetzen, statt auszutreten.

    Aber man kann ja auch wieder eintreten…Grüße

  2. Es gibt immer Grenzen, die man selbst vertreten können muss. Ich möchte nicht, dass Teile des derzeitigen Vorstandes in meinem Namen sprechen. Es gäbe noch viel von Dingen zu erzählen, die im Hintergrund gelaufen sind. Mir ist aber tatsächlich meine Zeit zu schade für diesen Verband. Fachlich halte ich mein eigenes Netzwerk mittlerweile für sehr viel hilfreicher und weitgehender. Mein Austritt ist ja auch erst nach Eintreffen der schriftlichen Erklärung und mit Ende des Jahres gültig. Bis dahin nerve ich noch ein wenig.

  3. Die Kunst wäre, statt Einzelgängertum zu pflegen und einzelne Süppchen zu köcheln, sich gemeinsam zu organisieren um Meinungen, die dir sowieso mit aufs Brot geschmiert werden (weil der Berufsverband nun mal als Gesprächspartner des Berufes wahrgenommen wird) entgegnen zu können. In Parteien gibt es ja auch Plattformen die dann als Sprachrohr einer Gruppe wahrgenommen werden. Statt dessen treten die Leute aus und lassen die anderen, die ähnlicher Meinung sind alleine. Ich finde das a) eine sehr unsolidarische Haltung und b) egoistisch. Schön dass DIR DEIN Netzwerk reicht. Wobei der Prozess der Organisation schwieriger und langwieriger ist und auch nicht viel Spaß macht.

  4. Es ist doch ganz einfach: Diskussionsteilnehmer bin ich auch ohne Mitgliedschaft. Weder mein Engagement noch meine Meinung sind von dieser Mitgliedschaft abhängig. Auch die Bewertung inhaltlicher Fragen hängt nicht von der Mitgliedschaft ab. Ich kann nur in zentralen Punkten meines Berufsverständnisses nicht von einem Verband das Gegenteil vertreten lassen.

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