Das ist Netzpolitik!

Konferenz „Fight for your digital right“ zum 11. Geburtstag von netzpolitik.org

Nachdem im Sommer gegen die beiden Blogger und Betreiber der Seite netzpolitik.org Markus Beckedahl und Andre Meister wegen angeblichen Landesverrats ermittelt wurde, war nicht klar ob die Netzpolitik-Konferenz überhaupt stattfinden würde.

Wie irgendwie aber auch zu erwarten war, erwiesen sich die Vorwürfe als haltlos und die Ermittlungen wurden eingestellt. So konnte ich am 04. September beruhigt nach Berlin fahren. Das war meine erste Konferenz zum Thema Netzpolitik und das Programm versprach spannend zu werden. Inhaltlich erstreckte sich das Spektrum von Überwachung, Cyberaußenpolitik, Netzneutralität und Open Educational Resources bis zu WLAN-Sterben, Open Spectrum und Nippel-Verbot bei Facebook. Neben dem normalen Tagesprogramm konnte man auch drei parallele Workshops besuchen. Ich blieb lieber im Hauptveranstaltungssaal in der Kulturbrauerei und folgte den Vorträgen, die im Übrigen auf der c-base Seite gestreamt und auch aufgenommen wurden. Gott sei Dank, denn bei den vielen Vorträgen ist die eigene Aufnahmefähigkeit irgendwann ausgelastet.

Eröffnet wurde die Konferenz natürlich von Markus Beckedahl, der von seinem versauten Sommerurlaub berichtete und gleichzeitig ankündigte: wir machen weiter! Wenn wir Dokumente erhalten, veröffentlichen wir sie auch. Abschließend rief er mit „Fight for your digital right!“ zum Aktionismus auf. Danach berichtete Andre Meister über den Zwischenstand zum #NSAUA, dort ist aktuell Halbzeit.

Den letzten Part hatte Anna Biselli, die die Vorratsdatenspeicherung als einen Kampf mit Zombies definierte: wenn man denkt sie ist endlich gestorben, steht sie wieder auf. Der zweite Block beschäftigte sich mit der deutschen/ EU-weiten/ internationalen Netzpoliopentik. Beckedahl hatte Dr. Thomas Fitschen vom Auswärtigen Amt eingeladen, der versuchte zu erläutern, was unter Cyberaußenpolitik zu verstehen ist.

Und zu Beginn ein paar Worte zum #NSAUA verlor.

Ben Wagner vom Center for Internet and Human Rights erläuterte, warum eine zentralisierte europäische Internetpolitik nicht sinnvoll ist. Abschließend ging Thomas Lohninger auf die Netzneutralität ein und warum sie so wichtig ist. Der dritte Block vor der Mittagspause wurde von der Wikimedia Foundation mit gestaltet. Zu Beginn berichteten Elly Ķöpf und Nils Weichert unter dem Titel „Shift happens“ über die Vorteile von Open Educational Resources, vor allem im Bereich der Schule und in welcher Form Wikimedia an dieser Stelle aktiv ist. Passend dazu trug der Vortrag von Leonhard Dobusch den Titel „Urheberrechtsextremismus“ (den ich dank des Kommentars hier nun auch verlinkt habe) und war ein unterhaltsamer Abriss der aktuellen Entwicklungen bis zum Reda-Report und was man sich als Urheberrechtsreformationswilliger alles an den Kopf werfen lassen muss.

Man könnte einen eigenen Youtube-Kanal für Dobusch fordern, so unterhaltsam und gleichzeitig leicht verständlich wurden die Probleme im Urheberrecht erläutert. Den letzten Vortrag bestritt Dimitar Dimitrov zur Panoramafreiheit. Leider war ich nicht mehr aufnahmefähig und bin daher schon vorzeitig in die Mittagspause gestartet.

Joerg Heidrich (@dasgesetzbinich) verglich die Netzpolitikkonferenz mit den TED-Talks, da das Vorgehen sehr ähnlich ist: 3 Vorträge pro Stunde, quasi keine Zeit für Fragen, wenig Pause. Da kann man zwar eine Menge Themen unterbringen, muss natürlich aber darauf achten, die Teilnehmer nicht mit Informationen zu überschütten. Daher an dieser Stelle nochmal einen großen Dank an die Leute an den Aufnahmegeräten, die die Übertragung und Aufnahme der Veranstaltung realisiert haben!

Nach der Mittagspause standen nochmal drei Blocks an. Simon Kissel von viprinet berichtete auf launige Art und Weise von dem Gesetzesentwurf zur Abschaffung des Routerzwangs, der jetzt nach der Sommerpause in Bundestag und -rat beschlossen werden soll und welche Rolle dieses Vorhaben den Endverbraucher und für ein mittelständisches Unternehmen wie seins spielt. Passend zum Routerzwang folgte Ulf Buermeyer mit D-offline und seiner Befürchtung des drohenden WLAN-Sterbens, das mit dem Gesetz zur Störerhaftung eintreten könnte. Er rief dazu auf, die EU Abgeordneten zu kontaktieren und für die nötigen Änderungen in der zweite Lesung im Parlament zu gewinnen. Ähnliche Aufrufe kamen auch in den vorherigen Vorträgen, wenn das alle machen würden, stehen die Telefone im EU-Parlament nicht mehr still 🙂 Den Abschluss dieses Blockes machte Jillian C. York, die über die Facebook-Praxis berichtete, Nippel in gute und schlechte zu unterteilen: weibliche Brustnippel sind bäh, männliche sind in Ordnung. #WTF Der zweite Nachmittagsblock wurde sehr technisch: Hannes Mehnert sprach über das entwickelte Betriebssystem MirageOS für eigene Webserver und Elektra Wagenrad darüber, wie man die freigewordenen Sendefrequenzen der Radio-/und TV-Umstellung auf digitale Übertragung für die Allgemeinheit verwenden kann.

Als letztes berichtete Nishant Shah über die Idee des indischen Governments, ID Karten für die Bevölkerung einzuführen mit denen alle Behördengänge erledigt werden können, die als Ticket für den öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden können und mit denen sogar bezahlt werden kann. Sein Vortrag trug dazu passend den Titel „The Self as a network“ und stellte die Frage in den Mittelpunkt, wie die Privatsphäre und der Datenschutz bei so etwas gewahrt werden können.

Nach einer Kaffeerunde, die von einigen sehnsüchtig erwartet wurde (u.a. von mir :))

gab es noch einen Schnelldurchlauf durch die Netzpolitik, u.a. mit einer Kurzvorstellung von StartMail (Betreiber der Suchmaschinen ixquick, startpage und Anbieter eines Mailsystems mit Verschlüsselung und außerdem Sponsor kostenloser Mate für die Veranstaltung, was sehr begeistert aufgenommen wurde) und der Vorstellung des Emancipating Refugees e.V., der es sich zur Aufgabe gemacht hat Flüchtlinge und AsylbewerberInnen mit Internet zu versorgen. Wer kann möge gern spenden!  Den wirklich allerletzten Vortrag hatte Julia Krüger, die uns über den Mythos des #neuland aufklärte. Wo kommt es her das Internet und wo geht es hin und was weiß die Bundesregierung 🙂 Nach der Verabschiedung durch Markus Beckedahl ging es für mich hinein in den Berliner Spätsommerabend und für viele Teilnehmer der Konferenz noch zur Landesverräter-Party.

Ich hoffe es gibt nächstes Jahr wieder eine Netzpolitik-Konferenz, zu der vielleicht auch mal ein paar mehr Bibliothekare und Informationswissenschaftler kommen, denn das Thema geht uns alle an!

Hier kann man die Zusammenfassungen der Konferenz von Netzpolitik selbst nachlesen.

OPL-Tante

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