Umfrageergebnisse: Lehrinhalte für Öffentliche Bibliotheken im Studium

Nach nur fünf Tagen haben wir die Umfrage „Lehrinhalte für Öffentliche Bibliotheken im Studium“ geschlossen. Die Beteiligung war trotz der ja deutlichen fachlichen Schwächen überragend. Man kann von ca. 186 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sprechen. Man kann aber nur deshalb „ca.“ sagen, weil mit den begrenzten Mitteln dieses Umfragetools (ohne ein 200$ Upgrade zu kaufen) keine exakte Eingrenzung möglich ist. Es ist nur möglich die Anzahl der abgegebenen Stimmen durch drei zu teilen und zu hoffen, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern hätten sich an die vorgegebene Stimmenzahl gehalten.

Ausgehend davon, dass 186 die richtige Zahl ist, lassen sich hoch interessante Resultate ablesen. Hier aber zuerst die Ergebnisse:

Endergebnis
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Fangen wir mit den drei häufigsten Nennungen an: Öffentlichkeitsarbeit (mit weitem Vorsprung), Bestandsmanagement und Veranstaltungsmanagement. Interessant ist hier, dass der Öffentlichkeitsarbeit eine größere Wichtigkeit zugesprochen wird, als dem Bestandsmanagement. Besonders interessant sind dann aber die drei nachfolgend genannten Themengebiete: Pädagogik, Konfliktmanagement und grundlegende EDV-Kenntnisse.

Eines lässt sich jetzt deutlich erkennen: ein  Qualifikationsprofil „Bibliothekar“ oder „Bibliothekarin“ kann diese Anforderungen nicht alleine erfüllen!

Die Eierlegende Wollmilchsau wird sich auch im Bibliothekswesen nicht finden lassen. Deshalb müssen wir endlich damit anfangen klare Qualifikationsprofile für Bibliotheksarbeit zu erstellen. Es braucht vielleicht nicht mehr zwei Bibliothekarinnen oder Bibliothekare, die beide mit dem Bestandsmanagement beschäftigt sind, beide Öffentlichkeitsarbeit betreiben und beide Veranstaltungsarbeit leisten. Es muss auch klar werden, dass eine Person nicht all diese Fähigkeiten alleine bereitstellen kann. Wer es schafft uns bspw. eine gelernte Pädagogin zu präsentieren, die gleichzeitig ein Profi in Öffentlichkeitsarbeit ist und ein verantwortliches Bestandsmanagement auf höchstem Niveau betreibt, dem verleihen wir gerne das Prädikat „Held / Heldin der Informationsbeschaffung“.

Man kann diese Überlegungen auch umdrehen: wenn ein sehr gut informierter Mensch aus der Politik auf eine Bibliothek zugeht und fragt: welche eurer Angebote könnt ihr eigentlich aufgrund eurer Qualifikationen auf höchstem Niveau betreiben, dann kommen wir in ein Rechtfertigungsdefizit. Die einzige Antwort kann dann nur das Bestandsmanagement sein. Leseförderung bspw. ist letztlich mehr als Bilderbuchkino, Klassenführungen und OPAC-Einführungen. Selbst dort käme man aktuell ins Schlingern. Wieso können wir behaupten die meisten unserer Klassenführungen wären professionell und didaktisch auf hohem Niveau – weil wir Bibliothekswissenschaften (oder welchen Namen es auch tragen mag) studiert haben? Wohl eher nicht. Wenn hier also ca. ein Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Pädagogik und Konfliktmanagement nennen, ist dies ein klarer Auftrag an die Hochschulen – was ja inhaltlich einen klaren Paradigmenwechsel bedeuten dürfte (für den Bereich der Öffentlichen Bibliotheken).
Deutlicher ist es noch für die Öffentlichkeitsarbeit und das Veranstaltungsmanagement, die sich ja thematisch durchaus nah sind. Dies müssten zentrale Themen sein. Nur stellt sich eben die Frage, ob das so zu leisten ist. Vielleicht muss man sich endlich verabschieden von den alten Begriffen (die letztlich immer noch zugegen sind) der Ausbildung für Wissenschaftliche- oder Öffentliche Bibliotheken und beginnen die berufsqualifizierte Ausbildung nach einem möglichen Arbeitsbereich zu gestalten. Für eine Person die Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement für Bibliotheken (und z.B. Archiven etc.) studieren durfte, ist es letztlich unwichtig in welche Art der Einrichtung er dann kommt. Die Aufgaben werden dann aber mit der nötigen Professionalität erfüllbar werden. Dasselbe gilt eben auch für den (sozial-) pädagogischen Bereich usw.

Zurück zur Auswertung – die nachfolgenden Punkte sind die beiden zu den EDV-Kenntnissen. Das z.B. war eine der Schwächen: es ist durchaus schwammig formuliert. Wir haben vorher nicht geklärt, was genau im weiteren Sinne unter den Punkten zu verstehen ist. Eine Grundtendenz ist klar und letztlich Standard für jede Berufswelt geworden: die grundlegende Kompetenz zur Bedienung unterstützender Software mit grundlegenden Kenntnissen des Internets und seines Aufbaus. Erweiterte Kompetenzen, also XML und nach unserem Verständnis auch Programmiersprachen etc. nannten noch knappe 18% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Offensichtlich ein durchaus interessantes Thema, aber keines das eine hohe Priorität hat.

Der nächste Punkte -wieder eine der Schwächen – ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld. Erst nach einem Tag ist uns aufgefallen (bzw. wurde uns mitgeteilt durch eine Leserin des Blogs), dass sich die Antworten „kritische Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld“ und „Berufsbilddiskussion“ überschneiden bzw. letztlich gleichzusetzen sind. Die Berufsbilddiskussion gehört in die kritische Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld – ein Fehler von uns. Nimmt man beide zusammen wurde dieser Punkt immerhin noch von mehr als einem Viertel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer genannt.

Der abgeschlagene Verlierer ist: RAK. Tja, da war die Verwunderung ehrlich gesagt nicht groß, eher die Genugtuung. Es führt uns vor Augen, dass die immer noch vorhandene Meinung man müsse zum katalogisieren studieren offenbar nicht von allen geteilt wird. Selbst bei RAK – was eigentlich auch jeder weiß – spielt das Umfeld eine Rolle. Umso mehr müssen Arbeitsbereiche, man kann es nicht oft genug wiederholen, neu definiert werden.

Was nehmen wir mit aus dieser Umfrage?

  1. Die hohe Beteiligung lässt auf ein reges Interesse an einer Diskussion über die Lehrinhalte schließen. Man könnte also sagen: Hamburg, Potsdam, Köln, Leipzig, Stuttgart usw. nehmt euch des Themas an. Hier liegt viel Arbeit, viel Konfliktpotenzial (sehr viel) aber eben auch ein gutes Stück Verantwortung für die zukünftige Legitimation vor den Geldgebern: den Kommunen, den Ländern und dem Bund.
  2. Wir machen uns beim nächsten Versuch einer Umfrage mehr Gedanken vorher, aber wir halten diese weiterhin so einfach. Wissenschaftliche Studien sind nicht aus der Freizeit heraus möglich, wir wollen allerdings zum Nachdenken anregen.
  3. Das Siegertreppchen!
Endstand
Das Siegertreppchen

Für Kritik und Fragen zu den Antworten sind wir völlig offen.

i.A. für *Ultra Biblioteka*

DonBib

PS Die abweichenden Antworten aus der Umfrage und das gesamte Datenmaterial kommt im Verlauf des Montags als PDF online!

3 Gedanken zu “Umfrageergebnisse: Lehrinhalte für Öffentliche Bibliotheken im Studium

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