Machen Sie Ihrer Bibliothek ein Geschenk – und engagieren Sie sich politisch!

Nachdem nun der netbib Weblog das Thema dankenswerter Weise in Erinnerung ruft ist es Zeit auch von hier aus mal einen dezenten Kommentar in die bibliothekarische Welt hinaus zu senden.

Die Gutschein-Aktion der ekz.bibliotheksservice GmbH mit dem Titel „Machen Sie Ihrer Bibliothek ein Geschenk!“ ist ein absolut kontraproduktiver und falscher Ansatz zur Bekämpfung finanzieller Engpässe in Bibliotheken.

Aber von vorne:

Die Bibliotheksetats stehen aufgrund sinkender kommunaler Gewerbesteuereinnahmen aktuell besonders unter Druck. Wie kann der stetige Medienzufluss gesichert werden? Die ekz bietet die Gutschein-Aktion „Machen Sie Ihrer Bibliothek ein Geschenk!“ an und holt damit die Bürger mit ins Boot. (Quelle: ekz.bibliotheksservice GmbH)

Prinzipiell ist das ja eine durchaus richtige Erkenntnis, nur führt gleich der nächste Absatz aus, dass der ekz gar kein weiteres richtiges Argument einfällt und es auch schon gar nicht mehr um die finanziellen Engpässe geht:

Jedes Jahr steigt die Zahl der Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt. Neue Themen, neue Autoren und die steigende Bedeutung der Leseförderung für Kinder machen es für Bibliotheken nicht leichter, mit dem zur Verfügung stehenden Budget eine Auswahl zu treffen. (Quelle: ekz.bibliotheksservice GmbH)

Weil also die Zahl der Neuerscheinungen größer wird müssen Bibliotheken immer mehr Medien anschaffen, so die Logik der ekz. Meiner Logik nach würde ich dann lieber die Bürgerinnen und Bürger auffordern, in die bibliothekarisch bildenden Studiengänge zu investieren, denn dort lernt man (im besten Fall) wie man verantwortlich und effektiv mit den eigenen Haushaltsmitteln Bestandsaufbau betreibt.

Hinzu kommt, auf dem netbib Weblog stand es bereits, dass vor allem eine Einrichtung von der Aktion profitiert: die ekz.bibliotheksservice GmbH.

Was können also Bürgerinnen und Bürger tun um Ihrer Bibliothek ein dauerhaftes Geschenk zu bereiten?
Richtig: Sie können sich engagieren. Sie können ihren lokalen politischen Parteien auf die Finger gucken und sagen: „Macht was, die Bibliothek ist uns wichtig!“. Diese Variante ist wesentlich nachhaltiger als ein einmaliges Büchergeschenk an die Bibliothek. Denn, auch wenn es viele die nur täglich ihre Lokalzeitung lesen und dann meckern vergessen haben, Sie selbst wählen ihre politischen Vertreter. Wer also z.B. in Berlin was tun möchte, der klappert die Wahlkampfstände der Parteien ab und fragt, was diese denn für die lokalen Bibliotheken tun wollen.

Wer sich nicht bewegt, bewegt nichts.

Schreiben Sie doch mal Ihrem Bürgermeister oder Ihrer Bürgermeisterin und fragen: „Wie stellen Sie sich die Zukunft unserer Bibliothek vor?“. Reichen Sie bei Bürgerhaushalten Vorschläge für die Bibliothek ein. Das schlimmste was passieren kann ist eine Begründung der Ablehnung ihres Vorschlages (Erhöhung des Medienetats) durch die Leitung der Bibliothek (ist mir mal passiert). An die Bibliotheken gerichtet kann ich nur sagen: Finger weg von diesen Angeboten. Sie sind sicherlich kurzzeitig erfolgreich und auch werbewirksam. Was Sie aber sicherlich nicht sind: identifikationsfördernd oder gar identifikationsstiftend. Eine Bürgerinitiative mit großem Erfolg bei ihrem Engagement für die Bibliothek hat da einen deutlichen Mehrwert.

Wie wäre es z.B., wenn Bibliotheken zukünftig bei abgeordnetenwacht.de ein Thema würden? Die Zahl der sich beteiligenden Kommunen wird immer größer und die Fragen sind somit nicht nur auf Bundes- und Landesebene begrenzt.

Also – mit den Worten Stéphane Hessels: Engagiert euch!

DonBib

7 Gedanken zu “Machen Sie Ihrer Bibliothek ein Geschenk – und engagieren Sie sich politisch!

  1. „La confiance dans les institutions dépend de leur capacité à montrer qu’elles prennent en compte la population dans sa diversité. La légitimité a priori a cédé la place à la légitimité par la preuve. On peut le regretter mais c’est une évolution certaine. La croyance au collectif, le sentiment d’appartenance à une collectivité, la confiance ne se décrètent pas verticalement mais résulte de cette succession d’attention aux autres de la part des individus et des institutions. Difficile donc de déplorer le délitement du lien social sans lutter contre l’abstentionnisme dans les bureaux de vote ou dans les bibliothèques !“ Claude Poissenot (http://www.livreshebdo.fr/weblog/du-cote-des-lecteurs—23/518.aspx)

    In dem Blogeintrag „De l’abstention politique à l’abstention culturelle“ von Prof. Poissenot aus Nancy wird deutlich, dass es ein allgemeinen Vertrauensverlust in Institutionen gibt, wie Parteien und Bibliotheken. Mit anderen Worten interessieren sich viele Menschen nicht mehr für die Bibliothek in ihrem Ort, weil sie diese nicht mehr aufsuchen, ebenso verhält sich mit den Wahlbeteiligung (aktuelles Beispiel Mecklenburg Vorpommern). Viele Menschen fühlen sich von ihren Politikern nicht mehr vertreten. Es gibt Städte in Deutschland, in denen über 40 % der Menschen einen Zuwanderungshintergrund haben („In Deutschland wird Politik ohne Migranten gemacht“: http://www.welt.de/article13511110) und in den Stadträten Politiker mit Zuwanderungshintergrund kaum repräsentiert sind. Genauso gibt es viele öffentliche Bibliotheken, in denen ebenso Bestands- und Bibliothekspolitik ohne Migranten gemacht wird. Was ist die Folge aus beiden Realitäten? In der Stadtbibliothek Gandia (Spanien) beträgt der Anteil der Nutzer nicht-spanischer Herkunft etwa 25 %, was wiederum genau dem Anteil dieser Gruppe in der Stadtbevölkerung entspricht. In welchen Städten Deutschlands, in denen 40 % der Menschen nichtdeutscher Herkunft leben, beträgt der Anteil dieser Menschen als NutzerInnen ihrer Bibliothek ebensoviel?
    Die „Migranten“ gehen weniger in Bibliotheken bzw. nutzen deren Bestände und Programme, in den politischen Parteien, ebenso im Berufsstand der BibliothekarInnen gibt es kaum BibliothekarInnen und PolitikerInnen mit Zuwanderungshintergrund. Die SPD-Idee einer Migrantenquote innerhalb der eigenen Partei war der müde Versuch ein „Problem“ erkannt zu haben und sich nach dem mißglückten Sarrazinrauswurf bei den „Migarnten“ und Parteimitgliedern einzuschmeicheln, aber die Attraktivität und die Identifikation mit den Belangen der Migranten müßte sowohl durch Parteien stärker abgebildet werden, als auch in leider noch sehr vielen Bibliotheken, wo manchmal der Eindruck entsteht Migranten müßten nur gut Deutsch lernen, dann erübrigt sich die interkulturelle Bibliotheksarbeit eines Tages. Ich bin zwar nicht für eine Quotenregelung bzw. stehe dieser skeptisch gegenüber, aber die Einbeziehung und die mangelnde Attraktivität von unterfinanzierten Bibliotheken hat auch mit der Tatsache zu tun, dass viele Teile der Bevölkerung sich von den Bibliotheken längst abgewandt haben. Die Wahlbeteiligung (zwischen 25-30 %) in vielen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns entspricht der Beteiligung bzw. der eingeschriebenen NutzerInnen vieler öffentlicher Bibliotheken Deutschlands. Ein paar Geschenke an Bibliotheken wie die Gutschein-Aktion „Machen Sie Ihrer Bibliothek ein Geschenk!“ machen das Kraut auch nicht fett bzw. ändern etwas an der klammen Finanzlage vieler Bibliotheken. Wer sich als Bürger/Bibliothekar engagiert für seine kulturellen Einrichtungen, sollte sich erst an seine politischen Vertreter vor Ort wenden und in einem zweiten Schritt innerhalb einer Partei vernetzen und dort seine Belange vortragen.

    Wie steht um unsere politischen Parteien? Enthält deren Wahlprogramm und deren Agenda Setting etwas zur Bibliothekspolitik? Auf dem österreichischen Bibliothekartag 2006 in Bregenz stellte das Karl-Renner-Institut (das österr. Pendant zur Friedrich-Ebert-Stiftung) die Bibliotheksinitiative Österreich vor: Ein 15-seitiges Bibliotheksprogramm der SPÖ. Das Vorwort stammte vom ehem. SPÖ-Vorsitzenden Gusenbauer. Zu diesem Zeitpunkt standen unmittelbar die Nationalratswahlen an. Was aus der Verwirklichung der Ziele der Bibliotheksinitiative Österreich bis heute wurde, kann ich nicht sagen. Neben einem Bibliotheksgesetz sind die Forderungen nach einem Bibliotheksentwicklungskonzept und nach einem Institut für Forschung – Entwicklung – Beratung der Bibliotheken und die bessere Vernetzung und Zusammenarbeit von wiss. und öff. Bibliotheken zentrale Bausteine dieser Intiative. Liz Dwyer vom Pepsi Refresh Project gab in einem Video Tipps, wie Bürger ihren Bibliotheken helfen können: http://bibliothekarisch.de/blog/tag/the-pepsi-refresh-project/
    Ausgehend von einer dieser Forderungen würde ich vorschlagen, dass jeder Bürger, der sich für die Belange seiner Bibliothek vor Ort stark machen will, seine gewählten Stadträte und Bundestagsabgeordneten anschreibt und explizit erkundigt, was diese für den Erhalt, die Weiterentwicklung und die Zukunft der Bibliotheken zu sagen haben und konkret in ihren Programmen verankert haben. Gab es bereits eine parteinahe Stiftung wie das Renner-Institut in Wien, in Deutschland die sich konkret einer Bibliotheksinitiative und eines Agenda Settings für die Zukunft der eigenen Bibliotheken im Lande starkt machte? Als nächstes sollten diejenigen BibliothekarInnen, welche ihre bibliothekarischen Anliegen durch polit. Parteien vertreten sehen, auch in diese eintreten und sich stark machen. Die Verbände sind auch nur so stark wie die Mitglieder, welche sich engagieren und auch bei den Mitgliederversammlungennteilnehmen. 2009 war ich bei einer Mitgliederversammlung eines Bibliotheksverbands und es fiel dieser Satz einer Bundeslandsvertreterin. Obwohl es sich um ein relativ großes Bundesland handelte, wunderte ich mich über die geringen Teilnahmezahlen, ging es doch Fragen wie die Sonntagsöffnung und vielem mehr. Ähnlich wie mit den Verbänden verhält es sich mit den politischen Parteien, Derartige Aktionen der EKZ suggerieren doch, dass der Einzelne etwas tun kann, aber politisch sind diese mitnichten.

  2. Auch wenn ich ihn in vielen Punkten zustimme, insbesondere, dass ganze Bevölkerungsgruppen von den Bibliotheken (und erst recht von der Politik) nicht mitgenommen werden, verwundert mich doch ihr unbefangenes Vertrauen in die parlamentarische Demokratie. Es ist mitnichten so, dass nicht schon ganze Generationen versucht hätten in die Parteien zu gehen und dort vernünftige Forderungen zu verankern. Dies gab es (besonders der kommunalen Ebene) mit Sicherheit auch schon beim Thema Bibliotheken und Bildung.
    Die traurige Wahrheit ist die, dass alle Parteien voll gestopft sind mit Karrieristen und Opportunisten. Sicherlich kann man um das Thema Bibliotheken und deren Finanzierung innerhalb der Parteien kämpfen. Nach diesem sehr zermürbenden Kampf wird in aller besten Falle eine Verbesserung der Situation der Bibliotheken auf dem Papier stehen. Doch Papier ist geduldig! Die schon erwähnten Karrieristen werden wenn es dazukommt (z.B. durch Regierungsbeteiligung) schon dafür sorgen, dass Papier Papier bleibt!

    Würde es nur einen couragierten Bürgern mangeln, wäre die Lage nicht so katastrophal wie sie momentan ist. In ganz Europa befindet sich die parlamentarische Demokratie und das derzeitige Wirtschaftssystem in einer schweren Krise. Aus diesem Grund würde ich die Hoffnung von vernünftigen Bürgern innerhalb der Parteien doch sehr gering halten.

  3. „[…], verwundert mich doch ihr unbefangenes Vertrauen in die parlamentarische Demokratie.“

    Mich wundert dies gelegentlich auch und manchmal ist dieses Vertrauen auch erschüttert. Nachdem ich vor einigen Wochen ehem. junge Mitglieder der SPD aus Niedersachsen und Bayern kennen lernte, die äußerst frustriert waren von den Oberen SPDlern nicht mehr ernst genommen zu werden und nicht mehr gehört zu werden, kann ich ihre Meinung auch gut nachvollziehen.

    „Der Marsch der Institutionen“ hatte an den Unis, den Schulen und Parteien durchaus einen Erfolg in den 1970er Jahren bis Anfang der 1980er Jahre. Doch heute sind die allerwenigsten LehrerInnen, BibliothekarInnen, ProfessorInnen, Studenten und SchülerInnen in Parteien Mitglied und politisch engagiert. Der Fukushima-Effekt und der S21-Effekt sind Ereignisse, die insbesondere einer Partei neue Mitglieder bescherten. Würde also eine Partei die Unterfinanzierung von Kultureinrichtungen insb. Bibliotheken und das damit verbundene Sterben und Ehrenamtlichmachung von Zweigstellen mithilfe von drastischen Videos, wie sie andere Länder in Bezug auf andere Kultureinrichtungen produzierten stärker thematisieren, wäre es durchaus möglich. Es ist lange her, dass Politiker außerhalb des Wahlkampfes völlig unorthodox um Vertrauen und um Mitglieder in Fußgängerzonen warben. Genau das wäre eine Chance.

    Bisher blieb unerwähnt, dass der Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare Teil des Renner-Instituts, einer parteinahen Stiftung der SPÖ ist. Würden nun innerhalb der parteinahen Stiftungen hierzulande ebenso Untergruppen kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare existieren, wäre dieses Agenda Setting durchaus einfacher zu bewerkstelligen als jetzt.

    Mir sind drei Bundestagsabgeordnete (alle weiblich) mittlerweile bekannt, auf welche diese Etikettierungen und Vorurteile in keinstem Falle zutreffen. Dennoch gebe ich natürlich Recht, dass es wie in nahezu jeder Profession gibt. Doch wer karriere machen will, geht eher in die Wirtschaft und weniger in die Politik.

    Das mag sicherlich richtig sein, aber dann lohnt es sich überhaupt gar keine Lobbyarbeit zu machen, denn die Gesetze in Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind ja nicht verbindlich genug und überhaupt bringt es ja dann eh nichts. Ich will mich hier keinesfalls parteipolitisch äußern, aber die Karrieristen sind mittlerweile auf dem Abstellgleis und die derzeitige Lage in Deutschland und Europa wirkt durch die an der Regierung beteiligten Parteien nicht unbedingt hoffnungsvoller und vertrauenserweckender gegenüber den Bürgern.

    Die Proteste in Spanien, Portugal und vielen anderen Ländern machen doch deutlich, dass es engagierte junge Menschen gibt, die sich eher nicht parteipolitisch mehr binden wollen. Der im letzten Jahr verstorbene Hermann Scheer (SPD), wurde bei einer Veranstaltung 2004 an der HU Berlin gefragt, ob er glaube, dass ATTAC und andere NGOs auf die Parteien erfolgreich Einfluß nehmen können. Seine Antwort lautete, dass früher oder später die Masterminds (z.B. Sven Giegold) und andere Mitglieder in Parteien eintreten werden, um dort mehr zu erreichen und den Weg der Realo-Politik bestreiten. Ich denke, dass diese Krise eine Chance sein kann für manche Parteien um um frustrierte und enttäuschte Bürger zu werben, die sich von den etablierten Volksparteien abwenden. Wer es klug anstellt, wäre sogar in der Lage in manchen Regionen eine Kultur- und Bildungspartei zu gründen, um dem Kaputtsparen von Bibliotheken und Kultureinrichtungen etwas entgegenzusetzen.

  4. Da muss ich doch glatt auch noch mal antworten.

    Ich würde Stuttgart 21 nicht unter Politisierung der Masse betrachten. An dieser Bewegung ist ja weder etwas sozial noch etwas nachhaltig. Hier treten zig tausende Menschen für ihren Stadtbahnhof auf das Feld des Protests, was man sicherlich verstehen und auch diskutieren kann. Nur sieht man dort auch die Stelle an der wohl aktuell das politische Interesse beginnt: wenn es die Leute persönlich betrifft. Es geht in Stuttgart doch eher nicht darum, dass andere Generationen darunter leiden könnten, nicht mehr diesen Bahnhof zu haben. Außerdem gäbe es den Protest auch, wenn der neue Bahnhof nur die Hälfte kosten würde. Nur die Argumente wären andere.

    Hier unterscheidet sich dann das Engagement für Bibliotheken. Hier sollte es darum gehen, einen bestimmten Gedanken bzw. eine bestimmte Idee von Bildung in sich zu tragen. Hier geht es vor allem auch um die nachfolgenden Generationen und erst dann nachfolgend um alle anderen.

    Was die Freude der Jugend an der Parteibindung angeht denke ich, dass es hier den gleichen Weg geht wie in der gesamten Berufswelt: alles spezialisiert sich. Es kann gar kein bundespolitisch aktiver Mensch mehr alle Themen überblicken, auch keine Bundeskanzlerin. Dies vorzutäuschen ist der Grundsatz aller Politikverdrossenheit, denn es produziert vorgefertigte Floskeln. Ich bezweifle, dass es überhaupt noch möglich ist auch nur ein einziges Gebiet effektiv zu überblicken. Insofern sind Parteien, in ihrer heutigen Organisation, aus meiner Sicht schon ein Relikt aus einer „einfacheren“ Zeit (was die Menge des Wissens angeht).

    Eben hier liegt aber auch die Chance. Politische Aktionen und Werbungen werden sich spezialisieren müssen. An dieser Stelle braucht es dann aber auch den politischen Bibliothekar bzw. die politische Bibliothekarin. Jemand der sich als „Verwaltungsbilbiothekarin oder -bibliothekar“ versteht, kann sicherlich eine Bibliothek nicht so vertreten wie eben jener politische Bibliothekar bzw. politische Bibliothekarin – brauchen aber tut es beide.

    Deswegen auch dieser Blog…

    DonBib

    PS Das der Arbeitskreis kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare Teil des Renner-Instituts, einer parteinahen Stiftung der SPÖ, ist heißt nur, dass die SPÖ den kritischen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren einen Raum gibt zu agieren (finanziell und räumlich). Es bedeutet jedoch letztlich für die Arbeit der kritischen Bibliothekarinnen und Bibliothekare inhaltlich und parteipolitisch nichts. Dass eben jene daran Beteiligten sicherlich eher weniger konservativ sind, ergibt sich aus dem kritischen Denken.

  5. Ich will Ihnen ja nicht unrecht geben, aber ich sagte neue Mitglieder bescheren: „Der Fukushima-Effekt und der S21-Effekt sind Ereignisse, die insbesondere einer Partei neue Mitglieder bescherten.“ Damit sprach ich keinesfall von einer Politisierung der Massen.Wahrscheinlich ließe sich das auch nachprüfen in den Mitgliederstatistiken der Grünen und den Abwanderungsstatistiken der CDU. Es lässt sich doch nicht abstreiten, dass insbesondere in der Region Stuttgart, die Grünen nicht nur mehr Zuspruch erhielten, sondern auch mehr Mitglieder. Das Wort Massenpolitisierung kam bei mir nicht vor.

    Wahrscheinlich hätten Sie/Ihr vor kurzem zum Thema „Lehrinhalte für (Öffentliche) Bibliotheken im Studium – auch das Fach Bibliotheks- und Gesellschaftspolitik hinzunehmen können.

    Es freut natürlich, dass es nach soviel Jahren endlich ein solches Blog gibt. Vielleicht solltet Ihr/Sie in einer Zeitschrift bei den „Digital Immigrants“ und in anderen Medien auf diese wirklich wichtigen Diskussionen und Themen aufmerksam machen. Dort sind solche Themen seit Jahren nicht mehr Teil der Debatte gewesen bzw. eher ein Nebenschauplatz, so zumindest mein Eindruck.

    Auch hier möchte ich zwar recht geben, bloß das letzte Wort „nichts“ trifft auf das österreichische Beispiel nicht zu, denn es gab im Bibliotheksprogramm der SPÖ eine „Bibliotheksinitiative Österreich“, etwas was die meisten Parteien hierzulander eher weniger schafften, obwohl mir natürlich schon bewußt ist, dass Papier geduldig ist. Ich habe ja diese Intitiave gelobt und für gut befunden. Ähnlich wie die Heinrich-Böll-Stiftung können diese parteinahen Stiftungen Debatten und Themen anstoßen, die unter Umständen die Parteien aufnehmen und stärker berücksichtigen. Zumindest kann sich diese Arbeitskreis ein Forum und eine Öffentlichkeit verschaffen, wovon manch ein Arbeitskreis hierzulande ehr noch träumt. ):

  6. Ich möchte mich nicht vorschnell vom parlamentarischen System verabschieden. Die Alternativen überzeugen mich noch nicht: Wutbürger, Parkschützer, Fabrik- und Autobahnbesetzungen (Vorschlag Lafontaine) oder niedrigschwelligen Volksbegehren (Mit Steuersenkungsbegehren haben clevere Kanzleien und Kommunikationsagenturen Kalifornien in die Pleite getrieben.)

    Beim noch größeren Nischenthema Schulbibliotheken hatten meine Freunde und ich im lokalen und regionalen Bereich immer wieder, wenn auch bescheidene Einwirkungsmöglichkeiten auf Politiker/-innen. Nötig ist dazu freilich, aktiv zu sein: Mit Öffentlichkeitsarbeit, Briefen, Konzepten, Mitwirkung in den Arbeitsgemeinschaften der Parteien und vor allem regelmäßigem Kontakt und Gesprächen.
    Ein Beispiel: In Potsdam gibt es einen Bürgerhaushalt. Das soll die bürgernahe Ergänzung zum parlamentarischen Haushalt sein. Der Bürgerhaushalt ist fest in den Händen von Lobbygruppen wie den Radfahrern. Meine Schulbibliotheksvorschläge wurden regelmäßig untergepflügt. Erfolgreich war ich dann mit einem Vorschlag, der über eine Fraktion regulär in die Stadtverordnetenversammlung ging und verabschiedet wurde. Dass basisdemokratische Verfahren den Bibliotheken nützen, ist also nicht ausgemacht.

    Ich erlebe es allerdings jetzt zum ersten Mal, dass ein (grüner) Parlamentarier und Bildungsfachmann auf eine Terminbitte, die in einem Zeitraum von 10 Monaten zweimal wiederholt wurde, nicht einging. Das ist eine neue Erfahrung, die mich aber auch noch nicht am Parlamentarismus zweifeln lässt.

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