Offener Brief an den BID

Offener Brief gegen die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler

Offener Brief gegen die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler
Offener Brief gegen die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 an Bundespräsident a. D. Horst Köhler

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DonBib

PS Der Text wurde bereits an den BID weitergeleitet und wir warten auf die Antwort.

6 Gedanken zu “Offener Brief an den BID

  1. Sehr gut, sehr gut. Auch die Begründung halte ich für schlüssig und gut formuliert. Doch es wirkt nicht ganz authentisch, wenn man mit Donato Biblione einen solch offiziellen Brief unterschreibt. Oder ist das ihr wirklicher Name? Bei Blogeinträgen und Blogkommentaren sehe ich das anders, aber ein solcher Brief müßte auf einer Petitionsseite von vielen vielen Bibliothekaren unterzeichnet werden und auch zu diesem Brief würden sich genügend Mitglieder von BiB, dbv und anderen Verbänden finden, die unterzeichnen würden, um dieser Fehlentscheidung größrere Ausstrahlungskraft zu verleihen. Warum, wenn man ein Jahr Pause machte, hat man in dieser Zeit nicht userorientiert bzw. mitgliederorientiert gehandelt und die Mitglieder der Verbände bei der Wahl stärker miteinbezogen?

    Was mir bei der Durchsicht der bisherigen Kandidaten auffiel (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Preusker-Medaille) ist, dass es im letzten Jahr keine Preisträger gab. Warum eigentlich? Alles worauf die Jury ihre Begründung bezieht, liegt vor 2010. Warum brauchte man ein Jahr Pause um dann doch H. Köhler die Medaille zu verleihen? Es drängt sich der Eindruck auf, dass es in den Augen der Jury keine geeigneten Kandidaten gab. Seit seinem Rücktritt ist es merklich still geworden um den Einsatz von Köhler für Bibliotheken und Bibliothekare. Wenn er in den letzten 12 Monaten etwas merkliches getan hätte, das über das Amt des Bundespräsidenten hinausgeht und zwischen dem Juni 2010 und heute eine erhöhte Lobbyarbeit für Bibliotheken gekennzeichnet hätte, dann wäre ich mit der Entscheidung einverstanden gewesen. Ansonsten soll der Preis an den oder die gehen, welcher bzw. welche seine Reden für die Sache der Bibliotheken verfasste.

    Dass er in Worten dazu beigetragen hat, leuchtet ja ein, aber in Taten? Hat er Geld gespendet? Wenn ja, dann wohl nur an die Anna-Amalia-Bibliothek Welche Taten denn noch? Hat er sich auf Bundesebene für ein Bibliotheksgesetz eingesetzt?

    Mir persönlich wäre Wladimir Kaminer lieber gewesen. Der hätte dann ebenso wie es bei seiner Schwiegermutter, Deutschland („Liebesgrüße aus Deutschland“), dem Schrebergarten, Berlin, seinen Nachbarn und der Schönhauser Allee getan hat, ein Buch über die Bibliotheken oder Bibliothekare geschrieben. Da bin ich mir fast sicher.

    P.S: Eines Tages wird noch Mr. Sarrazin für diesen Preis ausgezeichnet, weil er die Ausleihen und Neueinschreibungen in vielen Bibliotheken um ein Vielfaches gesteigert hatte.Schon irgendwelche anderen Vorschläge für 2012? Nicht, dass es wieder ein Jahr Pause gibt. 🙂

  2. Leider ist es im Bibliotheksbereich aktuell riskant, öffentliche sehr kritische Sachen mit dem eigenen tatsächlichen Namen zu unterschreiben (sollte er es nicht sein), vor allem wenn man sich nicht in einer sicheren Position, bspw. Jobmäßig, befindet. Der Bibliotheksbereich ist so klein, dass man zwangsläufig erkannt wird.
    Daher kann ich die Vorgehensweise von Ultra Bibliotheka gut verstehen.

    Aber der Tip mit dem öffentlichen Brief, den viele Unterschreiben ist super und eine Überlegung wert.
    Ich wär dabei!
    🙂

  3. Nicht, dass ich die Preisverleihung an Köhler sinnvoll finden würde. Aber ist es wirklich relevant, wer diese obskure Medaille bekommt? Ja, das steht symbolisch für die „politische“ Ausrichtung des BID. Ja, es gibt sicherlich Personen, die sich wirklich um das Bibliothekswesen verdient gemacht haben.

    Welchem Zweck die Preisverleihung wirklich dient, kann ich nicht sagen. Aber wenn das Ziel die Schaffung von Aufmerksamkeit ist, wird dieses Ziel verfehlt. Zeitungsartikel, die über eine Kurzmeldung hinausgehen, habe ich in LexisNexis, Google News und WISO nicht gefunden. Bis zur Thematisierung hier im Blog kannte auch ich die Medaille nicht.

    Es gibt viel zu kritisieren am BID und auch an anderen Fachverbänden. Den Code of Ethics und die fehlende Bereitschaft, für die dort vertretenen Werte öffentlich einzustehen zum Beispiel. Oder die Politik der DGI, Open Access zu thematisieren ohne es zu praktizieren.

    Der BID hat sich selbst und den Preis mit dieser Entscheidung nachhaltig beschädigt und einmal mehr gezeigt, dass dort die persönliche Wahrnehmung offensichtlich nicht einen Zentimeter über den Tellerrand des eigenen Berufsstandes hinaus geht.

    Das ist schon länger so und macht BID & Co für mich persönlich irrelevant. Wie auch immer: Kritik schadet auf keinen Fall. Nur weil ich dies nicht relevant finde, heißt es ja nicht, dass es nicht relevant ist.

    PS: Den offenen Brief und auch das Blog unter Pseudonym zu schreiben, finde ich besonders für Berufsanfänger sehr verständlich. Was zählt, sind Inhalte.

  4. Es stimmt schon irgendwie. Im ersten Moment habe ich persönlich auch überlegt, ob es denn so wichtig ist, wer oder warum jemand diese Medaille bekommt. Ich bin mir aber sicher, dass diese Verleihung noch genügend Aufmerksamkeit erzeugen wird, spätestens beim Vorgang selbst.

    Sicher ist der BID durchaus irrelevant für mich persönlich, allerdings vertreten die Damen und Herren ja auch mich nach außen. Nur weil sich über Jahre eingeschlichen hat, dass das so wohl schon ok sein mag muss ich bzw .müssen wir das ja nicht akzeptieren. Ich möchte ordentlich, sachgerecht und moralisch vernünftig vertreten werden. Insofern muss man auch mal stänkern und ein bißchen rütteln an den Institutionen und deren Verhalten (so unwichtig sie persönlich sein mögen).

    DonBib

  5. Zwei Monate später. Sind die Fragen beantwortet?
    1. Einen offenen Brief mit Donato Biblione (DonBib) zu zeichnen, finde ich nicht verständlich. Ich würde als Empfänger den Brief wegen Unzumutbarkeit (ein bibliothekarischer Verband ist kein toter Briefkasten der Mafia) nicht annehmen. Oder dem DonBib eins an die Löffel geben und ihn in die Ecke verweisen, um über Benehmen nachzudenken.
    2. Mir geht es hier allerdings nicht um die Züchtigung des DonBib. Gegenstand sind Auslober und Empfänger der Karl-Preusker-Medaille der BID.
    3. Die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 erfolgt – ab diesem Jahr nur noch – durch den Dachverband der Institutionen- und Personalverbände des deutschen Bibliothekswesens, Bibliothek & Information Deutschland – BID. Die deutschen Bibliotheken haben in 2010 und 2011 viele tausend Bände von Sarrazin angeschafft, dessen Buch in einen Ausklang schildert, wie in nicht zu ferner Zeit die Herzogin Anna Amalia Bibliothek nochmals abbrennt. Ein dann arabischer Bürgermeister Weimars erachtet einen Wiederaufbau als nicht mehr nötig. Eine Reaktion der die Bibliotheken vertretenden Verbände hierauf, dass sich Bibliothekare selbstredend unter allen Bedingungen für Erhalt und Neubau des anvertrauten Kulturguts einsetzen werden, gibt es nicht. Würden Sie diesen Leuten die Herzogin Anna Amalia Bibliothek anvertrauen?
    4. Der Empfänger der Karl-Preusker-Medaille 2011 ist ein ehemaliger Politiker von dem das Protokoll uns abfordert, ihn auch nach Amtsende als Herr Bundespräsident anzureden. Als Knallcharge bezeichnen wir ihn hier nicht, da dies angesichts der Tatsache, dass das Amtsende durch ein Reden über eine aggressive deutsche Militärpolitik (das macht man, sagt es aber nicht) herbeigeführt wurde, etwas dégoûtant wäre.
    5. Dem Empfänger der Karl-Preusker-Medaille 2011 wird bescheinigt, sich in in Sonderheit in seiner Rede zur Wiedereröffnung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek vortrefflich geäußert zu haben. Bescheinigt wird ihm das Leuten, die ein Buch verbreiten, das den Bescheinigern bescheinigt, dass sie mit der ihnen zu treuen Händen gegebenen Herzogin Anna Amalia Bibliothek so umgehen, als ob man hier in Harsefeld sei.
    6. Auf http://www.bideutschland.de/deutsch/aktuelles/?news=80 finden wir seit dem 31.10.11 einen Bericht zur glanzvollen Verleihungszeremonie. Die Festveranstaltung mit ca. 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fand zu Großenhain statt. Im Kulturschloss überreichte Frau Lux (die Bescheidenheit rührt: Titel und Amt fehlen) die Karl-Preusker-Medaille stellvertretend an Frau Köhler. Leider, leider konnte Herr Bundespräsident nicht anwesend sein. Auch Staatsministerin Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer hielt, vertreten durch den Generaldirektor der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Prof. Dr. Bürger, eine Festrede. Leider, leider konnte Frau Staatsminister nicht anwesend sein.
    7. „Welchem Zweck die Preisverleihung wirklich dient, kann ich nicht sagen“, so der Starblogger CH. Erfahen wir auch nichts über Zwecke – ein Selbstbild der Preisverleiher erschließt sich hier sehr wohl.
    8. Mitglieder der Bundesvereinigung BID sind folgende sieben Verbände und Einrichtungen: (…) Berufsverband Information Bibliothek e. V. (BIB) (…). BIB-Geschäftsführer ist Michael Reisser. Kehren wir noch einmal zu Punkt 1 zurück. Der DonBib macht geltend, dass die kindische Unterschrift unter den offenen Brief aus Sorge um berufliche Nachteile erfolge. Ich habe aus *Ultrà Biblioteka* erfahren, dass Reisser sich als erster mit Amtsbezeichnung am 31.08.10 für die Erwerbung des Sarrazin ausgesprochen hat. Der DonBib müsste also in dem Herrn Reisser, einem Kämpfer gegen Zensur und für Meinungsfreiheit vor dem Herrn, einen Bündnispartner in der BID haben. Betrachten wir, ob die Furcht des DonBib unbegründet ist. Ich bin am 11.04.11 zum 11.04.11 aus dem BIB wegen der Aufstellung der Mitarbeiterin der Hamburger Bücherhallen Marschall auf der Kandidatenliste des BIB (sie wird im Juni dann Bundesvorsitzende)ausgetreten. Herr Reisser teilte mir mit, dass mein an BuB gesandtes Austrittsschreiben auf Beschluss des Wahlausschusses für die Bundesvorstandswahlen nicht veröffentlicht werde. Ich bin nicht kleinlich, habe zudem meine Mail mit dem Austrittsschreiben gelöscht, werfe mithin unserem wackeren Kämpfer wider die Zensur keine Zensur vor. Nun hat BuB auch einen Mitgliedsteil, der Veränderungen im Status von Mitgliedern des BIB meldet. Heft 5 von BuB 2011: unser Herr Reisser hat wacker acht Monate für die Meinungsfreiheit von Herr Sarrazin gekämpft. Ich verstehe, dass man dann zu erschöpft ist, um meinen Austritt zu melden. Heft 6 von BuB 2011: Im Juni muss man sich nach soviel Kämpfen für die Meinungsfreiheit geistig sammeln. Ich verstehe, dass man dann zu erschöpft ist, um meinen Austritt zu melden. Heft 7/8 von BuB 2011: Ein würdiger Preisträger der Karl-Preusker-Medaille 2011 muss gefunden werden. Ich verstehe, dass man dann zu erschöpft ist, um meinen Austritt zu melden. Heft 9 von BuB 2011: Die Pressemitteilung über den Preisträger der Karl-Preusker-Medaille 2011 muss vorbereitet werden. Ich verstehe, dass man dann zu erschöpft ist, um meinen Austritt zu melden. Heft 10 von BuB 2011: Die glanzvolle Zeremonie zur Verleihung der Karl-Preusker-Medaille 2011 muss vorbereitet werden. Ich verstehe, dass man dann zu erschöpft ist, um meinen Austritt zu melden. Heft 11/12 von BuB 2011: Ich verstehe, dass jemand, der sich in der Welt von Herrn Bundespräsidenten und Frau Staatsminister bewegt, den Austritt eines Herrn Schapers – ist der überhaupt Bibliothekar? – nicht meldet.

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