Spontangähnen

Beim täglichen Browsen durch die digitale Nachrichtenwelt, auf der Suche nach Bibliotheksnachrichten, war ich erst ganz erstaunt mal wieder etwas in einer der überregionalen Zeitungen zu entdecken. Ich las also die Überschrift:

Stadtbibliotheken fordern finanzielle Absicherung
(Quelle: Welt Online vom 21.09.11)

Dann dachte ich darüber nach, dass ich Forderungen dieser Art gerne öfter in solchen Medien lesen würde. Während ich mich noch freute, dass es mal wieder jemand geschafft hatte eine Bibliotheksnachricht dort zu präsentieren, brach ich dann beim Lesen in Spontangähnen aus. Da bekommt man also die Gelegenheit kurz und knapp zu sagen, warum man denn mehr Geld haben möchte für die Bibliotheken und präsentiert dann die ausgelutschteste Floskel, die möglich scheint:

Von den Anstrengungen für mehr Bildung müssten auch die Bibliotheken profitieren, die wichtige Lernorte für alle Generationen seien […].
(Quelle: Welt Online vom 21.09.11)

An dieser Stelle habe ich mich dann kurz geärgert, die Zeitung nicht gedruckt vor mir zu haben, dann hätte ich das Blatt wenden können um nachzuschauen ob auf der anderen Seite doch noch etwas wichtigeres steht. Aber weiter gehts, da kam ja dann noch ein Argument:

Die Digitalisierung von Sach- und Unterhaltungsliteratur stelle für viele Häuser eine große finanzielle Herausforderung dar […].
(Quelle: Welt Online vom 21.09.11)

Gibt es beim DBV nicht Vorlagen mit sinnvollen Floskeln für Kurzmeldungen in Zeitungen? „Wichtige Lernorte“ als kleines feines Argument ist so unendlich schwammig und nichtssagend, dafür würde ich als Politiker nicht mal die Schubladen meines Langzeitgedächtnisses öffnen um dieses Nachricht einzulassen. Die „große finanzielle Herausforderung“ hat aktuell auch wirklich jeder Zentimeter des Öffentlichen Dienstes zu bewältigen. Auch das lockt mich nicht. Wenn ich schon nur ein paar Zeilen Platz habe, wie wäre es dann mit einer wesentlich klareren Aussage? Z.B. die von mephisto 97.6, Deutschlands erstem Universitäts-, Ausbildungs- und Lokalradio mit eigener Sendelizenz (Universität Leipzig) und Lokalsender für den Großraum Leipzig-Halle, anlässlich des 4. Leipziger Bibliothekskongresses aufgezeichnete Argumentation Rogelio Blanco Martínez (Generaldirektor für Bücher, Archive und Bibliotheken in Spanien):

Demokratie ohne Bibliotheken? 

Die Bedeutung der Bibliotheken nicht nur für die Lesesozialisation, sondern für eine Demokratie überhaupt hebt der spanische Schriftsteller Rogelio Blanco Martínez hervor, der als Vertreter des spanischen Kulturministeriums sein Land als Gastland des Kongresses repräsentiert. Er sieht ein intaktes Bibliothekennetz als Fundament der Demokratie. Die Machtverteilung in einem Staat hängt, so Blanco Martínez, von der Verteilung des Wissens ab, und somit ist eine breite Zugänglichkeit von Wissen Grundvoraussetzung für eine egalitäre Machtverteilung und die demokratische Kontrolle von Macht. (Quelle: Homepage von mephisto 97.6)

Das wäre doch mal kurz und knackig: „Ohne gute Bibliotheken keine Demokratie!“

Vielleicht sollten wir mal einen Ideenwettbewerb für kurze und knackige Argumentationen für Bibliotheken starten? Die Kommentarfunktion wäre ja ein guter Ansatz!

DonBib

1 Gedanke zu “Spontangähnen

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