Sarrazin und Öffentliche Bibliotheken – irgendwas zwischen Ignoranz und Verantwortungslosigkeit

Man mag ja vom Buch des ehemaligen Bundesbänkers Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ halten was man mag (ich halte es für moralisch und gesellschaftlich verwerflich und statistisch überholt), was aus bibliothekarischer Sicht allerdings nicht geht ist folgendes:

Stadtbibliothek Bautzen:

„Annotation: Der Autor analysiert die drängendsten Probleme in Deutschland, den fehlenden Anreiz , ein selbstbestimmtes Leben zu führen, die Migrationsproblematik und legt dar, wie die deutsche Bildungspolitik die Situation eher verschlimmert als löst.“

Die Stadtbibliotheken Görlitz und Pirna:

„Annotation/Beschreibung: Thilo Sarrazin beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang, problematischer Zuwanderung und wachsender Unterschicht ergeben. Er will sich nicht damit abfinden, dass Deutschland nicht nur älter und kleiner, sondern auch dümmer und abhängiger von staatlichen Zahlungen wird. Sarrazin sieht genau hin, seine Analyse schont niemanden. Er zeigt ganz konkret, wie wir die Grundlagen unseres Wohlstands untergraben und so den sozialen Frieden und eine stabile Gesellschaft aufs Spiel setzen. Deutschland läuft Gefahr, in einen Alptraum zu schlittern. Dass das so ist, weshalb das so ist und was man dagegen tun kann, davon handelt dieses Buch.“

Während Görlitz und Pirna offensichtlich einfach den Klappentext übernehmen, wird in der Stadtbibliothek Bautzen die ganz eigene Interpretation der Richtigkeit der Thesen des Herrn Sarrazin vorgenommen: sie werden für wahr erklärt und als Anleitung zum Überwinden der aktuellen Situation verstanden.
Von einer Bildungseinrichtung – und als solche bezeichnen sich Bibliothek doch sehr gerne – kann und muss man mehr erwarten. Viel mehr sind die genannten Beispiele ein Zeichen dafür, mit welcher Ignoranz in vielen Bibliotheken katalogisiert und verschlagwortet wird. Gesellschaftliche Verantwortung und Eigenverantwortung gehen dabei im Streben nach hohen Ausleihzahlen, um sich vom BIX nen goldenen Nagel für die tollste Bibliothek schenken zu lassen, unter.

Offensichtlich braucht es in der bibliothekarischen Ausbildung mehr als die seit mind. 20 Jahre überholte „Kernkompetenz“ des Katalogisierens – z.B. die Auseinandersetzung mit der Frage: „Wie gehe ich mit gesellschaftlichen bzw. politischen Themen um“.

Als positiven Abschluss hier die Lösung der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zum oben genannten Buch:

„Thilo Sarrazin, Vorstandsmitglied der Bundesbank, sieht die Folgen von Geburtenrückgang, unerwünschter Zuwanderung, steigender Inanspruchnahme von Transferleistungen einer wachsenden Unterschicht als reale Gefahr für Deutschland.“

DonBib

2 Gedanken zu “Sarrazin und Öffentliche Bibliotheken – irgendwas zwischen Ignoranz und Verantwortungslosigkeit

  1. Ist ja gruselig, was sich in der Heimat mal wieder abspielt.
    Und sowas nennt sich Bildungseinrichtung.
    Dahin führt das mittlerweile allseits beliebte Denken, dass Bibliotheken Dienstleister und Nutzer Kunden sind.
    Zum unreflektierten hinstellen irgendwelcher Werke, nur weil sie auf der Spiegel-Bestsellerliste sind. Das können Buchhandlungen auch. Dafür brauchs dann keine Bibliotheken mehr.

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