Bestandsaufbau mit Profil – was kann man aus der Diskussion um Sarrazin lernen?

In der Nachschau der Überlegungen zu Thilo Sarrazin ist mir beim durch die Gegend googeln ein Kommentar aufgefallen, der mich gleich wieder reizt noch einen Punkt nachzulegen.

Der allseits angesehene Direktor der Stadtbibliothek Duisburg, Dr. Jan-Pieter Barbian schrieb in einer Diskussion auf dem netbib weblog (zum Thema Sarrazin in Bibliotheken) drei Punkte nieder, die für ihn (in einem Fall wie Sarrazin) wichtig sind für die Erwerbung in Bibliotheken. Diese drei Punkte möchte ich mal nutzen um darzulegen, wo meiner Ansicht nach das zentrale Problem aktueller Bestandspolitik und deren Umgang mit fragwürdigen Büchern etc. liegt – vielleicht führt es auch zur Frage und einer Antwort auf die Frage ob Bibliotheken tatsächlich Bildungseinrichtungen sind oder nur Medienverleihstationen mit Animationsanteil.

Hier die drei Punkte von Dr. Jan-Pieter Barbian (finden sich im vierten Kommentar):

  1. Erstens findet laut Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland eine Zensur ausdrücklich nicht statt – es sei denn, eine Publikation verstößt gegen Grund- und Menschenrechte
  2. Zweitens wurde das Buch im Rahmen des Service “SPIEGEL-Bestsellerliste” angeboten – wie in allen anderen Öffentlichen Bibliotheken Deutschlands auch
  3. Drittens sollen sich Menschen eine eigene Meinung bilden können – das ist nun einmal Demokratie

Der Reihe nach: heute bespreche ich Punkt eins – die anderen Punkte folgen in den nächsten Tagen. 

Punkt eins soll uns verdeutlichen, es bestünde kein Recht zu zensieren.

Wer also ein medial stark gefragtes Buch etc. nicht beschafft, der zensiert. So zumindest wäre meine Interpretation der Aussage Dr. Barbians.
Mir fehlt prinzipiell die Motivation ausführlich zu erklären, dass Bibliothekarinnen und Bibliothekare täglich bewusst und unbewusst „zensieren“ indem sie beurteilen und dann kaufen oder nicht kaufen, indem aussondern und prinzipiell schon indem sie manches Buch etc. ausstellen und andere nicht. Zudem halte ich den Begriff der Zensur schon für völlig falsch. Zensur wäre es, wenn der Zugang zum jeweiligen Buch etc. ohne Bibliotheken nicht möglich wäre. Dieser Fall ist fast nie gegeben.

Was der erste Punkte allerdings verdeutlicht ist, dass es nicht ausreicht sich ein schönes und glänzendes Leitbild für die Bibliothek zu schreiben. In einer offenen und demokratischen Gesellschaft reicht es nicht zu sagen (Bsp. Stadtbibliothek Duisburg):

– wir bieten unseren Kundinnen und Kunden ein aktuelles und nachfrageorientiertes Medienangebot

– wir zeichnen uns aus durch qualitätsvolle Medienauswahl und Informationsangebote

Notwendig ist es, sich neben einem deutlichen Leitbild auch ein klar definiertes Erwerbungsprofil zu erarbeiten. Sicher werden jetzt einige sagen: „Wann soll ich das noch machen?“. Denen sei aber gesagt, dass je klarer die vorhergehende Definition ist, nachfolgende Diskussionen umso geringer werden und Zeit sparen. Wer sich also in einem Erwerbungsprofil mit „Problembüchern“ auseinandersetzt und als Lösungsvorschlag z.B. folgendes nennt: „Wir können eine ausgewogene Diskussion mit diesem Buch nur im Zusammenhang mit Informations- und Diskussionsveranstaltungen gewährleisten.“ , der hat ein Argument an der Hand auch einen Thilo Sarrazin Bestseller nicht zu kaufen, wenn er eben die eigenen Voraussetzungen nicht erfüllt.
Wir haben nämlich einen Bildungsauftrag als Bibliotheken, deswegen stellen wir z.B. nicht mal einfach so rassistische aber nicht verbotene Bücher ins Regal.
Nehmen wir einfach mal an Holger Apfel hätte eben jenes Sarrazin-Buch geschrieben – inhaltlich sind dort kaum Unterschiede zwischen beiden – hätte es sicherlich keine Bibliothek dieses Landes erworben (außer jenen die es müssen), auch nicht stünde es auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.

Davon bin ich absolut überzeugt.

Wer jetzt fragt: „Woher soll ich Informations- und Diskussionsveranstaltungen bekommen ohne großen Kostenaufwand und wie gestalte ich die Diskussion weiter?“, der stellt wichtige Fragen. Für ersteres kann man folgende Ideen nennen: politische Stiftungen des Landes: die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Heinrich-Böll-Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Hans-Seidel-Stiftung, die Friedrich-Naumann-Stiftung oder z.B. die Bundeszentrale für politische Bildung. Für genau solche Fälle sind diese Stiftungen da und geben einem Möglichkeiten und Ideen.

Es ist aufwendig – ja – aber ich sehe es als notwendig an.

Eine weitere Diskussion zu gestalten ist da schon schwieriger. Da gilt es, wenn man sich auf den Erwerb eines solchen Buches eingelassen hat, die weitere Diskussion zu beobachten. Zu Sarrazins Buch sind beispielsweise mehrere weitere Bücher gekommen, die die Diskussion analysieren oder Sarrazin inhaltlich widersprechen und ihn kritisieren. Diese Dinge muss man dann zusammen bringen.

Mir ist, wie bereits gesagt, bewusst welche Kraftanstrengung dies beinhaltet.

Aber es muss das Ziel von uns Bibliothekarinnen und Bibliothekaren sein, auf solchem Niveau zu arbeiten und so zu agieren.
Diese beschriebenen Möglichkeiten sind meiner Meinung nach die einzig tatsächlich demokratischen.

Einen Sarrazin einfach ins Regal zu stellen – fünf Bände z.B. –  dann als Annotation die Meinung des Autors zu übernehmen (wie z.B. die Stadtbibliothek Bautzen) und zu erwarten jede Leserin und jeder Leser müsse in der Lage sein selbst alles zu durchschauen was Sarrazin schreibt und dies zu bewerten – diese Art des bibliothekarischen Handelns ist für mich kontraproduktiv und verantwortungslos.

Wenn wir so handeln, verzichte ich lieber auf eine Bibliothek.

Meine Idee in Kurzform: 

Ein zwingend zu erstellendes Leitbild und ein zwingend zu erstellendes Erwerbungsprofil verringern die Erklärungsnot bei der Erwerbung bzw. der Verweigerung des Erwerbs bestimmter Medien und geben Bibliotheken mehr Möglichkeiten zu demokratischem Handeln.
Auch Leitbilder und Erwerbungsprofile können zur Diskussion gestellt werden, in jeder Gemeinde, in jeder Stadt – in jeder Bibliothek. Wir sollten als Bibliotheken die Gesellschaft anleiten zu mehr Diskussion und mehr Demokratie!


DonBib

8 Gedanken zu “Bestandsaufbau mit Profil – was kann man aus der Diskussion um Sarrazin lernen?

  1. „Wenn wir so handeln, verzichte ich lieber auf eine Bibliothek.“ Ich bin zu dem selben Schluss gekommen. À propos Zensur: Ich bin am 11.04.11 aus dem Berufsverband BIB ausgetreten. Mein begründendes Austrittsschreiben ging an die Zeitschrift BuB und wurde dort aus „formalen“ Gründen nicht veröffentlicht. Mein Austrittsgrund ist im Juni einstimmig zur Bundesvorsitzenden des BIB gewählt worden. Die Hamburger Sarrazin-Geschichte – http://log.netbib.de/archives/2010/11/29/in-den-bucherhallen-hamburg-ist-rassismus-interkulturell/ – ist nicht im Ansatz diskutiert worden. Mein knappes Austrittsschreiben aus dem BIB endete mit dem Wort obszön. Die in einem weiteren Posting hier aufgeführten mir bis soeben unbekannten Annotationen zu dem ‚Sarrazin‘ werfen die Frage auf, ob ein Vokabular der Gefühlsaufwallung angesichts des aktiven Rassismus der Annotationen korrekt ist.

  2. Es ist völlig unerheblich, welche moralischen oder sonstigen Gründe, die an „Volkshygiene“ erinnern, vorgebracht werden, ein bestimmtes Buch nicht in den Bestand einer Bibliothek aufzunehmen: es ist Zensur. Jede Zensur zu jeder Zeit hat ihre Rechtfertigung erstens aus dem Gebrauch ihrer Macht, ihrer positiven Legitimiertheit, die er aus der jeweils gültigen politisch korrekten, moralischen, sittlichen, „Vorschrift“ bezogen hat. Die persönliche Ansicht eines Bibliothekars, ob etwas gefährlich rassitisch oder vorbildlich gleichmacherisch, also darum entweder nicht aufzunehmen oder empfehlenswert sei, ist ja nichts anderes als die oft durchaus individuelle Entscheidung eines Zensors aus vergangenen Tagen, etwas in einem Gedicht/Artikel als Majestätsbeleidigung ansehen zu sollen oder nicht. Heutzutage ist mir ein Frank Wedekind lieber als mancher deutsche Militär seinerzeit, obwohl Wedekind wegen Majestätsbeleidigung ein Jahr Festungshaft bekommen hat. Damals hätte es vielleicht anders ausgesehen, im Fall, ich wäre kaiserlich gesonnen gewesen. Wenn der Bibliothekar – der privat ja tun kann, was er will – begründen muss, weshalb er ein bestimmtes Buch nicht im Bestand hat, und er bringt dessen politische oder moralische oder plasphemische oder sonstige Tendenz als Begründung vor, dann wirkt er nicht erzieherisch oder pädagogisch, sondern praktiziert im Gegensatz dazu schlichtweg Entzug bzw. Vorenthalt. Er übernimmt wohl Verantwortung, aber es ist eine Verantwortung, die ihm nicht gehört: es ist die Verantwortung des Lesers, die er ihm abnimmt, sich aneignet. Muss man Verantwortung heute nicht mehr lernen? Ist es so, wie das, was man immer öfter beobachten kann, dass nämlich Mütter z.B. etwa beim Radfahren ihren Kindern stets und ständig zurufen, was sie tun oder lassen sollen, und dass die Kinder ohne jeden Lerneffekt einfach immer tun, was ans Ohr dringt, apathisch; wenn aber die Stimme fehlt, sie völlig unsicher und hilflos sind? Soll es so sein? Und zu Hause spielen sie blutige Spiele? Hauptsache in ihrem Bücherschrank steckt kein Sarrazin? Zumindest dann nicht, wenn Vater mal nachsieht? Schöne heile Welt.

  3. Es ist völlig unerheblich, welche moralischen oder sonstigen Gründe, die an „Volkshygiene“ erinnern, vorgebracht werden, ein bestimmtes Buch nicht in den Bestand einer Bibliothek aufzunehmen: es ist Zensur.

    Dann sind Bibliotheken nichts weiter als Bücherläden, und Nutzer nichts anderes als Kunden, die bespaßt werden wollen. Von „Bildungseinrichtung“ kann dann hierbei nicht mehr die Rede sein.

    In welche Kategorie wird eigentlich ein Bibliothekar eingeordnet, der aus ökonomischen Gründen Sarrazin nicht kauft? Dafür aber ein preisgünstigeres Buch aus dem Deutsche Stimme-Verl. mit ähnlichen Inhalten beschafft?! Ich weiß es: Hüter der Demokratie! 😀

    Ach so, nee, der Dt.Stimme-Verl. gehört ja der NPD und die steht ja bekanntlich nicht so aufs Grundgesetzt – incl. Art. 5 -, und gründet lieber eigene Volksbibliotheken. Anscheinend herrscht in ÖBs doch zu viel Zensur – jedenfalls für Nazis.

    Vielleicht wird ja in Öffentlichen Bibliotheken doch hin und wieder an der richtigen Stelle „zensiert“, oder?

  4. Ich hab mir eben zum ersten mal die Diskussion im netbib-Blog durchgelesen und bin in zweifacher Hinsicht schockiert:
    Zum einen über den Ton, der angeschlagen wird, sobald manche Personen auch nur der geringsten Kritik ausgesetzt werden (siehe Herr Barbian und Nemissimo),
    Zum anderen über die Tatsache, dass man sofort den Zensur-Vorwurf an den Kopf bekommt, nur weil man als Bibliothek ein Buch nicht kaufen möchte. Der Erwerb liegt immer im Ermessen des Budgets und daraus resultierend im Ermessen des dafür zuständigen Bibliothekars. Wenn das Geld alle ist, kann ein Buch halt nicht gekauft werden. Dann kann es dreimal in der Spiegel-Bestesellerliste stehen, das ist dann auch egal.
    Und diese Liste als das A und O der Erwerbung zu betrachten, finde ich ehfragwürdig. Wozu beschäftigt man sich dann in der Ausbildung noch mit Bestandsaufbau? Da kann man den Studenten auch gleich sagen: kauft die Spiegel-Bestsellerliste und den Rest überlasst der EKZ.
    Dafür brauch ich nicht studieren, das kann auch jemand ungelerntes.

    Zensur bedeutet m.E. das ein Werk weder publiziert noch verfügbar gemacht werden darf. Das trifft bei Sarrazin nicht zu. Das Buch wurde vielfach gedruckt und verkauft. Und nur weil eine Bibliothek es sich nicht hundertfach ins Regal stellt, ist das noch lange keine Zensur, sondern wohl überlegter Bestandsaufbau.

  5. Schade Herr Schaper, dass sie ausgetreten sind. Wie wäre es, wenn wir das deutsche Pendant der englischsprachigen Zeitschrift „Progressive Librarian“ gründen? Es ist wie mit einer Partei, wenn sogenannte Abweichler und Andersdenkende diese verlassen. In letzter bin ich vielen jungen ehemaligen SPD-Mitgliedern begegnet, die sich unverstanden und enttäuscht fühlen. Nicht nur wegen Sarrazin, sondern wegen der Apparatschik-methoden, wie sie zum Schweigen gebracht wurden. Daher kann ich Sie, Herr Schaper gut verstehen. Leuten und anderen kritischen Stimmen müßten ebenso Platz eingeräumt werden. Insbesondere beim diesjährigen Bibliothekartag waren viele junge Bibliotheks- und Informationswissenschaftler enttäuscht, dass ihre Papers und Vorträge zu wiederholten Male abgelehnt wurden und nahmen frustriert an der Unkonferenz am IBI der HU Berlin teil. Arrivierte und pensionierte BibliothekarInnen als auch jüngere BibliothekarInnen fanden den diesjährigen Bibliothekartag dröge und alles andere als innovativ. Es sind jedes Jahr fast die gleichen Menschen, die dort auftreten dürfen. Ebenso verhält es sich mit den meinungsbildenden Zeitschriften, die selten kritische Stimmen zu Wort kommen lassen, besonders wenn eine Mehrheit der aktuellen Anschaffungspolitik oder gar die EKZ angegriffen wird. EKZ klingt nach ZK oder Politbüro und insgeheim geht sehr viel Macht und sehr viele Einfluß- und Entscheidungskraft von dieser Institution aus. Natürlich bin ich auch dafür, dass sich jeder/jede seine/ihre eigene Meinung bilden sollte, aber wie der Fall Breivik zeigte, ist das Buch gefährlich und sollte nicht einfach so im Regal zu finden sein wie andere Bücher. Vielen Menschen sind diese rassistischen Untertöne nicht bewußt seit Typen wie Seehofer, Merkel, Cameron insselbe Horn geblasen hatten und diese Stimmung nur noch weiter verbreiteten und daraus Nutzen zogen. Die BILD-Leser haben sich das Buch ohnehin gekauft, da es dort massiv beworben wurde und einige wenige werden es aus der Bibliothek ausgeliehen haben. Es würde in einem Studiengang wie Medien- und Buchwesen sicherlich eine interessante Master- oder Bachelorarbeit sein, zu sezieren, wie von der 1. Fassung des Buches die aktuelle Fassung aussieht und welche Stellen bewußt der Provokation und der Aufmerksammachung dienten. Statt den Autor selbst einzuladen, was sicherlich in manchen Stadtbibliotheken durchaus Unterstützung erfuhr/erfährt bzw. die Ausleihzahlen in manchen Städten beförderte, hätte die aufklärerische Öffentliche Bibliothek anerkannte Rassismusforscher und Medienwissenschaftler zu Wort kommen lassen müssen. Dass die meisten Bibliotheken sich alles andere als kritisch mit diesem Buch auseinandersetzten, lässt vermuten, dass diese Thematik um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und insbesondere Islamfeindlichkeit den meisten BibliothekarInnen nicht wert ist sich darüber zu äußern und kein Unrechtsbewußtsein vorhanden ist. Vermutlich liegt es in der Oragnisations- und Betriebskultur, dass BibliothekarInnen mit (und ohne sogenannten Zuwanderungshintergrund) sich erst gar nicht trauen gegenüber der Erwerbungs- und Veranstaltungsabteilung Kritik zu äußern. Es fehlt also offensichtlich an einer offenen Betriebskultur. Außerdem hat eine Podiumsdiskussion im September 2010 in der Münchner Reithalle mit Thilo Sarrazin, Gabor Steingart und Armin Nassehi deutlich gemacht, dass es genau das gediegene Münchner Bürgertum war, dass sich zusätzlich zu den für Rassismus und Populismus anfälligen NPD-Wählern als Sarrazinfans outete und jede Kritik durch Buhrufe erwiderte (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen/sarrazin-wirbel-um-auftritt-in-muenchen-therapeut-und-brandstifter-1.1006734). Jens Berger bezeichnete es als Verrohung der Mittelschicht“: http://www.heise.de/tp/artikel/33/33857/1.html) Wenn jemand wie er sich einer solch breiten Zustimmung erfreut, wieso sollten dann die meisten arbeitenden BibliothekarInnen etwas dagegen auszusetzen haben, die selbst häufig aus diesem Milieu stammen bzw. daraus ihre Klientel beziehen? Es nutzt also nicht das Buch aus Bibliotheken zu verbannen, denn der Alltagsrassismus äußert sich dort und anderswo genauso. Gibt es in unserer Gesellschaft überhaupt ein Bewußtsein von diesem gehässigem Alltagsrassismus? Werden diese Begriffe im Schulunterricht erläutert? Inwieweit sind Lehrer und Bibliothekare ausreichenden fort- und weitergebildet, um ihren Schülern und Nutzern zu erklären, wie dieses Buch zu verstehen, zu interpretieren und zu bewerten ist? Wir sollten uns zusammentun und diese Thematik parteinnahen Stiftungen bzw. der BpB als ein Themenpanel mit Experten vorschlagen. Daraus könnte ein Sammelband entstehen. Die Bibliothekswelt ignoriert diese Problematik weiterhin und und aus diesem Grunde, könnten wir dieses Thema außerhalb der Bibliothekskaste auf die Agenda bringen. Auf CDs, die auch in Bibliotheken vorhanden sind, gibt es explizit die Kennzeichnung „Parental Advisory—Explicit Content“. Bei bestimmten Büchern müsste diese in ähnlicher Form auch eingeführt und erläutert werden.

    • Sehr geehrter Herr Kaiser, sorry für die späte Antwort.
      1. Der Austritt aus dem BIB war herzerfrischend (andere Rückzüge aus gleichem Anlass fielen schwerer). Ich wollte nur den Gegensatz darstellen, dass dieselben BIB-Funktionäre, die die Frage Sarrazin im Bestand oder nicht mit „Nur rein damit!“ beantworten, plötzlich bei einem Schreiben von mir ganz förmlich werden.
      2. Einen Bedarf für eine bibliothekspolitisch orientierte Fachzeitschrift (weblog?) sehe ich auch. Eine Gründung plane ich nicht.
      3. Aktuellen Handlungsbedarf sehe ich aber in der Sache Bibliothekartag 2012. Mir ist keine öffentliche Stellungnahme zu dem Verhalten der Bücherhallen in Sachen Sarrazin bekannt. Vielmehr werden deren Leute BIB-Vorsitzende und HH Veranstaltungsort des Bibliothekartag 2012. Hier sind Bertelsmannfestspiele und das Lob der betriebswirtschaftlichen Kennzahl zu erwarten.
      4. Anlass für eine fachwiissenschaftliche Aufarbeitung des Verhaltens aller deutschen Bibliotheken im Umgang mit dem ‚Sarrazin‘ gibt es in der Tat. Das reicht von der Beschlagwortung bis zum Bestandsaufbau.

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