Mein Senf zum 101. Bibliothekartag – Teil 1

Da ist er auch schon wieder vorbei – vier Tage 101. Bibliothekartag in Hamburg (schönste Stadt der Welt usw.). Ich werde mal anfangen ein Resümee zu versuchen und die einfachste Variante ist wohl die drei größten Enttäuschungen und die drei tollsten Dinge zu präsentieren und das mache ich dann jetzt einfach mal wie folgt: 

  1. Blogeintrag zu den Enttäuschungen 
  2. Blogeintrag zu den tollsten Dingen
  3. Blogeintrag um alle anderen Dinge zu sagen, die in die ersten beiden Einträge nicht rein passten und ein Fazit in die Welt zu werfen (ich fange mit den Enttäuschungen an, dann kann ich mit den positiven Dingen aufhören 🙂 ).

Die Platzierungen der Enttäuschungen:

Sieger: „Welche Wirkungen haben Leseförderungsaktionen von Öffentlichen Bibliotheken? Erste Ergebnisse der Studie Leseförderung und Wirkungsforschung (LeWi) mit der Stadtbibliothek Bielefeld“ (23.05., 11:30 – 12:00 Uhr)

2. Platz: „Heilige Kühe schlachten“ – eine Diskussion in der KIBA-Lounge (24.05., 17:00 – 18:00 Uhr)

3. Platz: „Zwischen Bibliotheksstundenplan, Unterrichtsentwicklung und Recherchekurs: Die Schulbibliotheken Hamburg als zentraler Ort für Kompetenzbildung von Schülern und Schülerinnen“ (23.05., 14:42 – 15:06 Uhr)

Ich gratuliere allen Gewinnerinnen und Gewinnern – oder auch nicht…

Zu den Platzierungen im Einzelnen:

Sieger: Im Programmteil „(Vor)lesen und lesen lassen: Leseförderung als Basis in einer multimedialen Welt“ hatte ich den oben erwähnten Vortrag entdeckt. Wenn man mal ehrlich ist, wären die Ergebnisse einer solchen Studie fast schon revolutionär. Wir könnten „belegen“ warum wir tun was wir tun. Eben aus diesem Grund war ich dort. Was dann aber folgte war irgendwie niederschmetternd. Die Studie selbst hat gar keine Kontrollgruppe, die Autorinnen und Autoren selbst wissen das auch. Damit ist aber der Nachweis schlicht sinnlos. Hinzu kommt noch die (meine und auch die Anderer) Erkenntnis, dass es eigentlich gar keine Wirkungsstudie ist. Man fragt einfach ob lesen toller ist (ok – das war jetzt die extreme Kurzfassung) nachdem man an Leseförderungsaktionen teilgenommen hat – und – uiuiui – jaaaaaa. Super Sache, mit diesem großartigen Ansatz kann ich alles belegen. Wenn ich einen Eisladen an den Schulweg baue und Freieis verschenke macht der Schulweg mehr Spaß. Was bringt diese Erkenntnis? Nichts – und genauso verhält es sich aus meiner Sicht mit diese „Studie“. Warum aber „Leseförderung“ (belassen wir es mal bei diesem Schlagwort) was genau bei Kindern bewirkt, das gölte es zu erforschen. So bleibt vom Titel nichts außer Enttäuschung und der Erkenntnis ein Eis essen gehen wäre die bessere Beschäftigung gewesen (gleiches gilt auch für die nichtsnutzende Nichtnutzungsstudie des dbv, hierzu hat Karsten Schuldt aber bereits alles gesagt).

2. Platz: Die groß angekündigte Diskussion „Heilige Kühe schlachten“ in der KIBA-Lounge hat es nicht ganz auf den ersten Platz der Enttäuschungen geschafft, aber immerhin auf den zweiten. Es war nicht mal ein alter Esel, geschweige denn leckeres Schlachtvieh oder gar „Heilige Kühe“ die dort auf dem Podium diskutiert wurden. Eher langweiliges Gerede und ein offensichtlich sedierter Klaus Graf (zumindest verglichen mit seiner sonst so liebenswürdigen Art und der deshalb gestiegenen Erwartungen) machten die überhaupt nicht „Heiligen Kühe“ zu einer enorm langweiligen Veranstaltung, die ich dann zugunsten eines hervorragenden Vortrages (kurz: Ethik in der Arbeit mit Raubgut) verließ. Den weiteren Verlauf der Diskussion habe ich mir dann per Nacherzählungen und per Twitter rekonstruiert und dabei die Richtigkeit meiner Entscheidung als bestätigt empfunden. Wenn ich mir allerdings die Podiumsbesetzung anschaue, man kennt sich untereinander ja doch, dann wundert mich aber auch die Wahl der Themen nicht. Wozu bei Facebook überhaupt nach Themen gefragt wurde hat sich mir auch nicht erschlossen.

3. Platz: Im Programmteil „Schulen brauchen starke Partner“ war der oben erwähnte Vortrag enthalten. Hierbei war wieder sehr gut zu beobachten, was ich beim 100. Bibliothekartag in Berlin schon feststellen durfte: reine Erfahrungsberichte sind vor allem: reine Zeitverschwendung. Wenn den Referentinnen und Referenten nicht der Übertrag der eigenen Erfahrung in ein Hilfsmittel für Anwesende gelingt, dann gerät eine Veranstaltung schnell in eine berufsstandseigene und vor allem auch berufsstandstypische Selbstbeklatschung.
Ich hätte gerne gehört, warum nun welche Maßnahme wie gemacht wurde, was der Ansatz war, was die Auswirkungen waren und was nicht geklappt hat. Sätze wie „und dann hab ich das halt so gemacht“ sind irgendwie gruselig. Die helfen mir nicht weiter und wer von außen auf die Professionalität guckt, der wird sich auch gruseln. Dieser Vortrag bzw. die darin enthaltenen Einzelvorträge habe ich zum Teil als unerträglich simpel empfunden. Ich hatte zwischenzeitlich Schwindelgefühle vom Kopfschütteln. Eine weitere Erfahrung ist dabei natürlich auch, und das nehme ich durchaus selbstkritisch zur Kenntnis: um mich herum herrschte fast ausnahmslos erkennbares Interesse und Begeisterung – ich könnte nicht sagen warum, vielleicht bloggt ja jemand, wieso er oder sie begeistert war.

So viel zu den drei Erstplatzierten. Sie zeichnete vor allem gleichsam das Gefühl aus, beim dabei sein etwas viel wichtigeres verpasst zu haben.

DonBib

 

3 Gedanken zu “Mein Senf zum 101. Bibliothekartag – Teil 1

  1. Zu dem dritten Punkt können wir uns ja mal beim #Stammtisch unterhalten; ansonsten ist bald Projektende und dann kann man auch frei heraus mehr dazu sagen (ein finaler Paukenschlag hat sich beim letzten Projekttreffen schon angekündigt, aber das glaub ich erst, wenn das ganze durch ist). Zum Vortrag selbst sag ich nichts, wäre so oder so unangemessen als quasi-beteiligter und Freund/Bekannter der Referenten. Aber genereller formuliert: meinen ersten Bibkongress bin ich noch mit viel Enthusiasmus und voll gefülltem Programm angegangen, beim zweiten war das schon stark reduziert und bei diesem waren die Erwartungen auf verwertbare Inhalte quasi nicht vorhanden (Lichtblick Zukunftswerkstatt, wobei meine wenigen besuchten Veranstaltungen auch mehr unterhaltsam als nützlich waren). Insgesamt ist es eher ein relativ teures Socialising-Event eines sonst eher „uneinigen“ Berufstandes…

  2. Auf den finalen Paukenschlag bin ich schon sehr gespannt. Wir können uns da sehr gerne beim #Stammtisch drüber unterhalten. Den letzten Satz würde ich so oder so ähnlich auch unterschreiben…

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