Eine kleine Buchempfehlung – ein großer Mann

Stéphane Hessel in kurzen Worten:

  • geb. 1917 in Berlin
  • seit 1924 in Paris
  • Studium der Philosophie an der École Normale Supérieure in Paris
  • seit 1937 franz. Staatsbürger
  • 1939 Einzug in die franz. Armee, Mitglied der Freien Französischen Luftwaffe
  • 1941 Flucht nach London; schließt sich der Résistance an
  • 1944 auf Spionagemission in Paris
  • Verhaftung durch die Gestapo am 10. Juli 1944, Folter
  • KZs Buchenwald, Rottleberode, Dora; 6. April 1945 Flucht
  • 1945 Beginn der diplomatischen Karriere bei der UNO in New York, Saigon, Algier und Genf
  • 1982 franz. Botschafter, Entwicklungshelfer in Afrika
Photograph by Rama, Wikimedia Commons, Cc-by-sa-2.0-fr

Das bewegte Leben, eines geistig bist heute hellwachen Mannes, liest sich wie eine kurze Geschichte des 20. Jahrhunderts. Eben dieser Mann schreibt mit über 90 Jahren zwei Bücher, die aktueller nicht sein könnten:

„Empört Euch!“ – und – „Engagiert Euch!

Diese zwei Dokumente wecken auf. Dort benennt Stéphane Hessel aktuelle Ungerechtigkeiten und Schieflagen der Gesellschaft – er der selbst Opfer der größten Verbrechen wurde. Er ruft zu mehr Engagement für die Gesellschaft auf, zu mehr Toleranz und gleichzeitig zu mehr Empörung über Ungerechtigkeiten.

Ich kann beide Werke nur wärmstens empfehlen.
Sie lesen sich wie die Anklage an das stille akzeptieren und muss und soll ein Aufruf zu mehr Engagement sein. Ein Grundlagenwerk für das Berufsbild einer jeden Bibliothekarin und eines jeden Bibliothekars?

DonBib

PS Interessant ist insbesondere, dass „Empört Euch!“ in Frankreich ein Bestseller war, zeitgleich mit einem anderen Buch in Deutschland. Es ist das exakte Gegenteil zum deutschen Bestseller. Sarrazin <–> Hessel – beide rufen zum Engagement auf, beide wollen die Gesellschaft verändern und zum Nachdenken anregen, nur die Idee der zukünftigen Gesellschaft und die Art der Ängste unterscheiden sich.

Ich denke ich wähle die Idee der Gesellschaft des Co-Editors der
Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen – Stéphane Hessel.

PPS Hier ein Zeitzeugengespräch mit Stéphane Hessel der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ): KLICK MICH

1 Gedanke zu “Eine kleine Buchempfehlung – ein großer Mann

  1. Kritische Lektüre scheint schwierig. Ich habe die französche Ausgabe Indignez-vous gelesen. Der Verlag nennt sich Indigène éditions, die Reihe, in der Hessels Text erscheint, collection « Ceux qui marchent contre le vent » (angeblicher Spruch eines Indianerstamms). Explizit wird dieser Volkstumsquatsch gegen die westliche Moderne gewendet. Kritische Vernunft vermutet man bei diesem Verlag und findet sich bei Hessel nicht. Keinerlei Analyse; handeln tun anonyme Mächte. Menschen tauchen nur an einer Stelle auf: es sind Juden. Sie unterdrücken die Palästinenser.
    Es gibt Menschen, die haben Marksteine für eine humane Menschheitsentwicklung gelegt. Hessel hat dazu seinen Beitrag geleistet, indem die ‚Déclaration universelle des droits de l’homme‘ im Titel das ‚universelle’/allgemeine hat und es nicht internationale Erklärung der Menschenrechte heißt. Dieser Beitrag Hessels verhindert hier deutliche Worte der Kritik. Mulmig wird mir allerdings bei dem Gedanken, wie Menschen sein Buch ohne Ansehen der Person rezipieren.
    Sarrazins Buch überschreitet bei mir an einer Stelle die Schmerzgrenze: in der Beschreibung der Juden und ihrer auch genetischen Qualitäten. Offensichtlich willkürlich kann man Gruppen bestimmen (Muslimdefinition) und ihnen bewertbare Eigenschaften zuschreiben. Juden gut – Muslims schlecht (Sarrazin). Juden schlecht – Muslims gut (Hessel???). Juden gut – Muslims gut (Multi-Kulti). Juden schlecht – Muslims schlecht (weg-mit-Multi-Kulti).

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