Zweimal dbv – Nachrichten aus einer mir fremden Welt

Zwei Punkte die sehr gut illustrieren wie weit der dbv und ich inhaltlich grundlegend auseinander liegen:

  1. Zukunft der Bibliotheken „Oasen in einer hektischen Welt“ – ein Interview mit Monika Ziller
  2. „Gold“ für Top-Bibliotheken in Deutschland – Bibliotheksindex BIX fördert Wettbewerb um gerechte Bildungschancen – eine Pressemitteilung des dbv

Zu 1.: Ein Interview in der Frankfurter Rundschau ist doch eigentlich eine schöne Sache. Blöd ist es nur, wenn man zu Öffentlichen Bibliotheken nichts zu sagen hat. Ach doch, da war ja etwas:

Sie sind in Gemeinden des ländlichen Raums oder in manchen Stadtteilen der einzige Ort, der für jeden kostenlos zugänglich ist – abgesehen von den Parks.

Ein selten großer Unsinn. Jede Buchhandlung und jedes Einkaufszentrum ist kostenlos zugänglich. In Buchhandlungen kann man mittlerweile auch einfach bequem sitzen und lesen, ohne gleich das Buch mit der Bemerkung „Sie müssen das schon kaufen, wenn Sie es lesen wollen“ aus der Hand gerissen zu bekommen. Steht es so schlecht um die eigenen Argumente im dbv? Und dann noch dieses angefügte „abgesehen von den Parks“. Mit fallen schon spontan viele Beispiele für Bezahlparks in Kommunen und Städten ein. Danach noch ein bißchen Schlagwortwerferei: „digitale Zukunft“. Mehr gabs zu Öffentlichen Bibliotheken eigentlich nicht zu erzählen – schade.

Zu 2.: Der Bibliotheksindex BIX ist und bleibt ein oberflächliches Instrument zur oberflächlichen Kommunikation mit der Verwaltung, der Öffentlichkeit und der Politik. Eine neue Aufmachung ändert da nichts am Unsinn. Das beste Beispiel bietet der dbv glücklicherweise gleich selbst in seiner Pressemitteilung:

Die Ergebnisse zeigen jeder der 346 Bibliotheken, wo sie in Relation zu allen vergleichbaren Einrichtungen in Deutschland steht. Nun weiß z.B. die lokale Stadtbibliothek, dass sie in Deutschland bei der Zahl der Veranstaltungen pro Einwohner „Spitze“ ist.

Klasse – wenn meine Bibliothek also sehr viel Geld in zwei sehr öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen investiert, die dann wie Publikumsmagneten wirken, eine andere Bibliothek aber 15 kleine und auf ein sehr spezielles Publikum ausgerichtete Veranstaltungen anbietet, dann ist letztere Bibliothek spitze und meine nicht. Auf der Seite des Bibliotheksindex wird es dann noch lustiger. Der Punkt „Veranstaltungen und Programme“ wird wiefolgt beschrieben:

Mit der Erhebung dieses Indikators bildet der BIX ab, wie leistungsfähig die Bibliothek in ihrer Funktion als Vermittlerin von Lese- und Medienkompetenz sowie als kulturelles Zentrum und Treffpunkt für die Bürger ist.
(Quelle: BIX-Bibliotheksindex)

Klingt bombastisch – aber nur bis man gelesen hat, wie die Leistungsfähigkeit als Kompetenzvermittler gemessen wird:

Es zählen alle von der Bibliothek angebotenen einmaligen und regelmäßigen Veranstaltungen, dazu gehören auch Ausstellungen, Einführungen in die Bibliotheksbenutzung, Hausaufgabenbetreuung und Kooperationsveranstaltungen, z.B. die Koordination von Vorlesepaten.
(Quelle: BIX-Bibliotheksindex)

Alles nicht neu, alles schon geschrieben und diskutiert. Die Pressemitteilung macht für mich aber den Unterschied. Auch dem ausgegebenen Ziel, „allen Bürgerinnen und Bürgern gleichwertige Kultur- und Bildungsleistungen zu bieten“ kann ich mich nicht unterordnen. Ich möchte den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort die für sie bestmögliche Arbeit anbieten. Der Versuch diese Arbeit bzw. diese Leistung zu messen, folgt einem für mich nicht akzeptablen Bildungsideal.

Im Ergebnis bleibt der dbv in einer mir fremden Welt hängen. Zum Glück kenne ich das ja schon vom BIB.

DonBib

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