Buchempfehlung

Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz : von Galton zu Sarrazin ; die Denkmuster und Denkfehler der Eugenik / Michael Haller ; Martin Niggeschmidt (Hrsg.)

Eine Aufsatzsammlung, die sich mit nichts anderem beschäftigt als den Quellen Sarrazins nachzugehen, oder wie es die Frankfurter Rundschau schreibt: „Sarrazins Quellen, Fakten und Schlüsse seriöser wissenschaftlicher Prüfung zu unterziehen“. Das Ergebnis der Untersuchung lässt sich ganz gut aus einigen Rezensionen ablesen:

Die Stärke dieser Beiträge ist es, die politische Motivation der Verwendung wissenschaftlicher Befunde aufzuzeigen – daneben wird zugleich sichtbar, dass eine ganze Reihe von ideologisch motivierten Aussagen wissenschaftlich nicht haltbar sind und auf Missverständnissen bzw. fehleranfälligen Grundannahmen beruhen.
(Quelle: Blog des psychologischen Instituts Heidelberg)

Regelrecht peinlich für Sarrazin wird es, wenn der Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie, Diethard Tautz, ihn darauf hinweisen muss, dass Intelligenz keine monogenetische Eigenschaft ist, die nach den Mendelschen Gesetzen vererbt wird – wie der Ex-Banker laienhaft, aber umso sturer behauptet.
(Quelle: Frankfurter Rundschau)

Das von Haller und Niggeschmidt herausgegebene Buch ist im besten Sinne aufklärerisch: Auf fast jeder Seite geht einem ein Licht auf.
(Quelle: Die Welt)

Dazu ein sehr interessantes Interview mit Michael Haller bei dastandard.at.

Kaufen die Öffentlichen Bibliotheken dieses Buch jetzt auch alle? So von wegen Aufklärung und Dienstleistung und Bildungseinrichtung usw.? Ich recherchiere mal ein bißchen.

DonBib

*via Wolfgang Kaiser*

2 Gedanken zu “Buchempfehlung

  1. 1. Am 30.07. verweist DonBib auf ein Buch zu Sarrazin. Noch vor der Veröffentlichung dieses Buches hat er von mir einen Hinweis darauf erhalten. Diesen Hinweis habe ich über eine ? von mir als zuverlässig eingeschätzte ? Mittelsperson aus Schleswig-Holstein gegeben; mir ist eine Mailadresse von DonBib nicht bekannt, daher dieser Weg. Hintergrund war, dass ich anlässlich des ? mir schon inhaltlich bekannten ? Buches von Haller/Niggeschmidt noch einmal den bibliothekarischen Umgang mit Sarrazin aufgreifen wollte. Nach einem Ausstieg bei netbib entsprach es meinen Vorstellungen von Fairness, dort nicht nur zur Verkündung von Politthesen einen Auftritt einzulegen; deswegen meine indirekte Anfrage, einen (dann doch bei netbib am 20.05. erschienenen) Beitrag für Ultrà Biblioteka zu verfassen. Ich verzichte hier auf eine weitere politische Kommentierung zu dem dummen Geschwätz von DonBib.
    2. Das Buch gibt es in Bibliotheken durchaus; wie bei VS zu erwarten, auch als eBook (wohl Nationallizenz) in den wissenschaftlichen Bibliotheken. Im GBV hat man dafür die von mir kritisierten Schlagwörter aus dem Sprachgebrauch der rassistischen Internationale nicht mehr übernommen. Jetzt gibt es unverfängliche englische Schlagwörter für einen deutschen Titel. Die Bücherhallen Hamburg haben den Titel auch. (Das war mein Erwerbungsvorschlag vor Veröffentlichung. Sofort eingearbeitet mit den tadellosen Schlagwörtern der DNB.) Der Standort des im Gesamtsystem nur einmal vorhandenen Titels ist Fa 3. Sarrazin und alle Titel zu ihm stehen aber im Interessenkreis IK Interkulturell; der steht in der Zentralbibliothek eine Etage höher. Ein Titel, der sich direkt auf Sarrazin bezieht, steht jwd. Der von mir in dem netbib Beitrag benannte Titel des rechtsradikalen Instituts für Staatspolitik steht direkt neben Sarrazin.
    3. Nach meinem Beitrag bei netbib wurde in den Bücherhallen die Taschenbuchausgabe von Sarrazin eingearbeitet. Es enthält weiter das Schlagwort ?Überfremdung?. In Berlin hat man das Hörbuch eingearbeitet. Immerhin hat man dort das Schlagwort ?Überfremdung? durch ?Einwanderung? ersetzt. Berlin gehört übrigens zu den Städten, die den Sarrazin mit den Worten des Waschzettels des Verlags anpreisen.
    4. Bis zum Mai 2012 wusste ich nicht, dass es passieren kann, dass öffentliche Bibliotheken Titel des rechtsextremen Ares Verlags erwerben. Ich hatte mit Entsetzen gesehen, dass die Bücherhallen von Vonderach ?Anthropologie Europas : Völker, Typen und Gene vom Neandertaler bis zur Gegenwart? eben aus dem Ares Verlag besitzen. Neben meiner Kurzcharakteristik bei netbib empfehle ich, das Buch mal in die Hand zu nehmen. Eine der Anmerkungen zur Rassenkunde des deutschen Volkes (andere behandelte Völker sind Juden und Zigeuner) führt auf zwei (vielleicht mehr) Seiten zustimmend umfassend nationalsozialistische Rassenforschung an. Der Berliner Katalog weist auf das Buch mit dem Waschzettel des rechtsextremistischen Ares Verlags hin.
    5. In einer lebenslangen, intensiven Bibliotheksnutzung ist das der persönliche Tiefpunkt gewesen: wenn man in einem Katalog nachsieht, ob die Bücherhallen das Buch von Vonderach haben, muss man ja einen Verdacht haben, dass das Buch im Bestand sein könnte. Ich habe vor dem Nachsehen im Katalog eine tiefe, physisch schmerzhafte Scham wegen dieses Verdachts empfunden.

  2. Ich habe den Blogbeitrag, bevor er bei netbib erschien, gelesen und ihn als in seiner Form als unpassend für diesen Blog interpretiert (was uns allen hier zusteht). Gleichwohl war der Inhalt sehr interessant, weswegen er einen guten Platz gefunden hat. Tatsache ist, dass ich den Hinweis auf dieses Buch nicht mehr präsent hatte und erst durch den Link von Wolfgang Kaiser darauf erneut gestoßen bin. Was die Beleidigung am Ende von Punkt 1. jetzt zu bedeuten hat, bleibt leider unklar.
    Zu Punkt 2. muss ich dann leider feststellen, dass der Ansatz in diesem Blog leider nicht verstanden wurde. Es ist absolut zu erwarten, dass es dieses Buch in wissenschaftlichen Bibliotheken gibt. Gleiches gilt für die Auffindbarkeit in sehr großen Öffentlichen Bibliotheken. Die Wirkung und die Präsenz von Sarrazin ist allerdings insbesondere in kleineren Bibliotheken eine Besonderheit, weswegen dort das Buch von Haller / Niggeschmidt präsent sein sollte. Dies ist nach meinen bisherigen Recherchen quasi nicht der Fall.
    Zu den weiteren Punkten: eine Recherche im Verbundkatalog der öffentlichen Bibliotheken im Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) (http://gso.gbv.de/), z.B. nach dem Ares Verlag oder einigen rechtsextremen Autoren bringt auch einige Dinge zum Vorschein. Insofern bin ich da weniger überrascht, gleichwohl ähnlich entsetzt. Haller / Niggeschmidt findet man dort im Übrigen nicht. Meine Kritik bleibt also. Interessant sind für mich an dieser Stelle nämlich die Öffentlichen Bibliotheken, nicht die wissenschaftlichen.

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