Sprit fuer Ulmers Maserati – oder – Langeweile bei inetbib

Vorweg muss ich gleich jene enttäuschen die hofften hier noch mehr Rhetorik gegen Ulmer zu finden. Ganz im Gegenteil folgt nun der Versuch darzulegen, dass es Matthias Ulmer mit nur einem Text gelingt eine eher peinliche und mit vielen Worten ausgestattete „Sprachlosigkeit“ des bibliothekarischen Berufsstandes offenzulegen.

Die Diskussion startete mit einem kurzen und durchaus heiteren Kommentar von Eric Steinhauer, wobei man feststellen muss, dass eben jene Rhetorik Steinhauers auch nicht viel mehr Substantielles enthielt als die des Ulmers. Was dann folgt ist die immer gleiche langweilige Jammerwelle der Bibliothekarinnen und Bibliothekare – von shitstorm zu sprechen lohnt da eher nicht, es ist eher ein jammerstorm. Sehr schnell wir dann sichtbar, dass die „Suppenküche Öffentliche Bibliothek“ offensichtlich nicht die zu kritisierende Einschränkung der Wahrnehmung der Aufgaben Öffentlicher Bibliotheken in Ulmers Text ist, sondern das bibliothekarische Geseier um jene Aufgaben. Denn für diese finden viele Menschen viele Worte, aber nur wenig Inhalte. Gleichwohl wird das unbedingte Gewinnstreben der Verlage bejammert. Wie können sie auch nur? Sich verhalten wie alle anderen Wirtschaftszweige auch – ein Skandal! Blöderweise können wir ausnahmsweise die Auswirkungen unseres alltäglichen Handelns nicht nach Somalia, China, Indien, Bangladesch etc. auslagern (Stichwort: Kleidung -bspw. hier oder hier – oder – Fische – lesenswertes hierzu schreibt immer wieder Lauter Bautz’ner z.B. hier oder hier). Und plötzlich ist alles ganz böse. Dann schreibt z.B. Annette Kustos:

„Dafür  werden oeffentliche Gelder systemimmanent so ausgesogen, dass nicht nur  Bibliotheken das nicht mehr bezahlen können, sondern aufgrund zunehmender  Mittelbindung für die Grosssegmente nichts mehr für die Kleinen übrig bleibt. Ein guter Branchenverband hätte längst durch den Aufruf wettberwerbsregulativer  Maßnahmen fuer seine Mitglieder eintreten  müssen. “
(Quelle: inetbib)

Es wird immer dahergeredet, als würden wir hier außergewöhnliche Vorgänge beobachten. Wer soll das denn ernst nehmen? Zu Öffentlichen Bibliotheken und ihrem Auftrag – bzw. möglichen Aufträgen – hatte dann auch eigentlich niemand mehr was zu sagen.

Ach doch:

„Weil viele Verlage zu viel Schund produzieren, hatten Bibliotheken von  Anfang an die Aufgabe gutes und schlechtes in einer Synopse so zu  präsentieren, damit jeder Benutzer erkennt was er nicht studieren muss,  um seine kostbare Zeit zu sparen.“
(Quelle: inetbib)

Hach Herr Umstätter, fast hatte ich vergessen was ich täglich tue: gute Bücher und schlechte Bücher präsentieren, gute und schlechte Filme katalogisieren, gute und schlechte CDs kaufen. Gut und schlecht – ich verschlagworte das auch so, damit der dumme Nutzer oder die dumme Nutzerin nicht ausversehen übersieht was er oder sie für das Leben nicht braucht – gehts noch?

Wenn wir nicht in der Lage sind zu erklären wozu wir was wie und warum brauchen – und ich habe bis heute kaum mehr als ein paar schlüssige Erläuterung für den Bereich der Öffentlichen Bibliotheken gelesen, dann müssen wir uns über solche Artikel von Ulmer nicht wundern und schon gar nicht aufregen. Die ganze andere Aufregung – die natürlich an den Ausgangstoren der Bibliotheken endet – kann man gar nicht ernst nehmen.

DonBib

PS Weil per Twitter noch einmal darauf verwiesen wird: Argumentationen verlieren für Öffentliche Bibliotheken sehr schnell ihre Kraft, wenn man von „Kunden“ spricht. Dieser Begriff verändert den Inhalt und den Sinn der Arbeit!

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