Schulbibliotheken in Niedersachsen – Zwischenstand eines privaten Forschungsprojekts

Schulbibliotheken in Niedersachsen – Zwischenstand eines privaten Forschungsprojekts

Anlass I

Der Gedanke sich mit KollegInnen aus anderen Schulbibliothek zu vernetzen ist kein neuer. Bei verschiedenen Fortbildungen innerhalb des Bundeslandes begegnet man unweigerlich auch mal KollegInnen aus Schulbibliotheken. Aus einem dieser Gespräche ergab sich der Wille, sich in den verschiedenen Institutionen gegenseitig zu besuchen und darüber in weitere Gespräche über den Alltag zu kommen. Nun ist so ein Besuch um Schulalltag nur selten umzusetzen. So entstand nebenbei die Frage, welche Schulbibliotheken wohl im eigenen Landkreis ebenfalls infrage kämen. Beim Versuch diese Frage zu beantworten scheitert man unweigerlich an einem Problem: niemand weiß offensichtlich, welche Schulbibliotheken überhaupt unter welchen Bedingungen existieren. Der nächste Schritt war dann auch schon der Ansatz: ich sollte das vielleicht mal bundeslandweit abfragen.

Anlass II

Wenngleich das Thema Open Educational Ressources nicht mehr unbekannt ist bleibt doch festzuhalten, dass der größte Teil der in Bibliotheken erarbeiteten Konzepte auch genau dort bleibt. Auch wir SchulbibliothekarInnen teilen längst nicht in der Form unsere Ideen und Erfahrungen, wie es notwendig und angebracht wäre – von uns als Gesamtheit in Öffentlichen Bibliotheken Arbeitender will ich da noch gar nicht sprechen. Auch 2019 haben wir noch keine Infrastruktur dafür geschaffen, Materialien großflächig und strukturiert zu sammeln, verfügbar zu machen und zu vermitteln – dabei klingt die Aufgabe doch sehr vertraut (über institutionalisierte Kontakte zwischen Schule und Bibliothek will ich da noch gar nicht sprechen). Insofern ist das Wissen um die Existenz anderer Institutionen gleicher Art eine Grundvoraussetzung, das Teilen der Materialien effektiv angehen zu können.

Idee – Kurzform

Mittels einer strukturierten Recherche soll ermittelt werden, wieviele Schulen des Bundeslandes Niedersachsen auf ihren Homepages Schulbibliotheken auf dem Schulgelände nachweisen.

Idee – Langform mit Grundannahmen

Die Grundidee ist der Aufbau einer Datenbank, aus deren Anreicherung mit öffentlich zugänglichen Informationen dann Interpretationen entstehen können.

Vollständigkeit der Abfrage

Die sich z.T. stark unterscheidenden Möglichkeiten der verschiedenen Landkreise machen eine landkreisübergreifende Abfrage plausibel. Die Ergebnisse einzelner Landkreise beinhalten zu starke Variationen (finanzielle Voraussetzungen, Unterschiede zwischen ländlichem und urbanem Raum uvm.), um aus Einzelergebnissen auf ein ganzes Bundesland schließen zu können. Dementsprechend gelten als Grundmenge zu untersuchender Objekte, die in der Datenbank des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) aufgeführten Schulen (einschließlich der Studienseminare). Die Recherche erfolgt mittels der Begriffe: Bücherei, Schulbücherei, Bibliothek, Schulbibliothek, Selbstlernzentrum, Mediathek und Mediothek. Die Homepages werden auf sichtbare Nachweise hin untersucht. Fragen der Bibliotheksstatistik (Öffnungsstunden, Medieneinheiten etc.) werden nicht beachtet.

Was ist eine Schulbibliothek

Bei der Recherche spielt die Ausgestaltung der jeweiligen schulischen Bibliotheksräume vorerst keine Rolle. Ich halte eine Zähl- oder Anerkennungsschwelle für nur schwer begründbar. Die über die (zu) oft zitierte Menge an Veranstaltung oder Medien hinausgehende Frage, welche Rolle die Anwesenheit einer Schulbibliothek, mit oder ohne Personal (welcher Art auch immer), innerhalb des Systems Schule spielt, scheint mir doch wichtiger. Eines der Kernanliegen meiner schulbibliothekarischen Arbeit findet sich weniger in der Frage der Leseförderung oder der Förderung der Informationskompetenz. Mein Hauptanliegen ist letztlich die Arbeit am Habitus des lesenden Menschen. Die Schaffung eines Raumes, der viele SchülerInnen in Kontakt mit im Alltag lesenden Gleichaltrigen bringt, erscheint mir sehr zielführend. Dies ist aber eine Frage, die an anderer Stelle erläutert gehört. Für die Frage, ab wann nun eine Schulbibliothek als solche gezählt werden sollte ist es insofern wichtig, dass die Rolle einer von Lehrkräften betreuten Grundschulbibliothek eine ganz andere ist oder sein kann, also die Rolle einer bibliothekarische geführten Gymnasialbibliothek. Eine Grundschulbibliothek kann gleichwohl eine elementare Rolle im System Schule innehaben. Insofern ist sie aus meiner Sicht zwingend aufzuführen. Als genaue Definition gilt die Existenz einer Bibliothek auf dem Gelände der Schule.

Schulbibliothekspersonal

Soweit auf den Seiten der Schulen angegeben, bilde ich die Art des Schulbibliothekspersonals ab bspw. Lehrkräfte, Eltern, Bibliothekspersonal, SchülerInnen.

Datenbankaufbau

Erfasst werden die Stammdaten der Schulen (Schulnummer, Schulname, Adresse, Homepage, Mailkontakt), die Schulform (Schulgliederung, Schulträger (öffentlich / nicht öffentlich), Organisationsform (Ganztag)), die regionale Zuordnung zu Landkreisen und letztlich die zugänglichen Daten zur Schulbibliothek (DBV-Nummer, Arbeitsform (haupt-, neben oder ehrenamtlich), Berufsgruppe (siehe Schulbibliothekspersonal), Zugehörigkeit zu Stadtbibliotheken und das Prüfdatum.

Eine ausführliche Darstellung aller vorgenannten Punkte erfolgt nach Abschluss der Auswertung.

Erste Ergebnisse

Der Auswertungsstand beinhaltet derzeit die Überprüfung von 1015 von 3089 bei der Datenbank des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) nachgewiesenen Einrichtungen. Studienseminare sollen aus dieser Betrachtung vorerst ausgeschlossen werden, sodass 998 von 3038 (32,85%) Einrichtungen als untersucht gelten.

Bei 472 der 998 Schulen (47,3%) werden Schulbibliotheken auf den Homepages der Schulen erwähnt.

Der überwiegende Teil (327 Schulen) macht keine Angaben zu den in der Schulbibliothek arbeitenden bzw. für die Schulbibliothek zuständigen Personen. Als explizit ehrenamtlich betrieben gelten 80 Schulbibliotheken (16,9%).

58 der 472 (12,3%) der Schulen mit Schulbibliotheken führen hautamtlich arbeitendes Personal als zuständig auf.

34 der 472 (7,2%) der Schulen nennen explizit bibliothekarisches Personal.

Auffällig ist, dass an wenigen Orten mehre hauptamtliche Schulbibliotheken existieren, die von einzelnen Stadtbibliotheken als Zweigstellen geführt werden. Die 34 hautamtlich durch bibliothekarisches Personal geführten Schulbibliotheken verteilen sich auf nur 16 Institutionen (Bsp.: in Buxtehude teilen sich fünf Schulen insgesamt drei Schulbibliotheken).

Als Abschluss der kurzen Übersicht erlaube ich mir eine kleine Hochrechnung. Bisher konnte ich 34 Schulen identifizieren, die auf ihrem Schulgelände Zugang zu hauptamtlich geführten Bibliotheken haben. Sollte die auf den ersten Blick klein wirkende Quote von 3,4% Schulen mit hauptamtlich geführten Bibliotheken auf dem Schulgelände annähernd gleich bleiben, sprechen wir für Niedersachsen von über 100 hauptamtlich geführten Schulbibliotheken. In Anbetracht der Tatsache, dass hier derzeit allenfalls Netzwerke und Nachweise auf der Basis von Freiwilligkeit bestehen, wäre ein guter Ausgangspunkt gegeben, (nicht nur) innerhalb des Berufsstandes noch mal eine Diskussion über die Wahrnehmung, den Alltag und die Förderung schulbibliothekarischer Arbeit, zu sprechen.

Ich kann sagen, dass wir in unserer Schulbibliothek im aktuellen Jahr ca. 50% aktive LeserInnen (gemessen an der Zahl der SchülerInnen in der Schule) haben und die Zahl der NutzerInnen der Schulbibliothek noch sichtbar darüber liegt. Bibliothek, Schulbibliothek, Schule – es gibt viel zu besprechen und es gilt definitiv über mehr zu sprechen als über Klassenführungen und aktuelle Trends.

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